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Sportunterricht war für mich ja schon immer ein bisschen absurd, weil ich als E-Rollifahrer bereits damals schon wusste, dass aus mir später wahrscheinlich kein Olympionique wird und ich selbst für die Paralympics zu behindert bin, was ein bisschen wie eine Rap-Punchline klingt, aber halt wirklich so ist.
Abgesehen davon war ich aber auch der einzige Rollifahrer im Sportunterricht, auf den damals nicht die Schule, sondern sogar ich bestand, weil ich kein Bock auf ein anderes Fach hatte, dass ich dann hätte belegen müssen, um - ganz deutsch - für die Abiprüfungen zugelassen zu werden (ich war schon damals ein faules Schwein und wusste, dass man im Sportunterricht nur einmal im Jahr für den ollen Theorietest lernen musste;o).
Für die Schule kam das damals etwas unerwartet, die Sportlehrer waren dementspechend überfordert und niemand inklusive mir wusste, was ich denn nun eigentlich da machen, geschweige denn wie und für was überhaupt ich benotet werden sollte. Und am Ende hab' ich dann sehr viel Quatsch machen müssen, ein paar Freistunden gekriegt und eine 3 im Zeugnis bekommen, was dann im Endeffekt irgendwie okay war. Gefühlt habe ich mich zu der Zeit allerdings ein bisschen wie in diesem Sketch-Video, nachdem ich gerade sehr lachen musste, weil es meine gesamte Sportkarriere in 30 Sekunden zusammenfasst. Und nicht vergessen: ihr könnt alles schaffen, wenn ihr es nur wollt. Es sei denn, ihr könnt es nicht - dann nicht.

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Den ersten kleinen Gig vom sitzenden Stand-Up-Comedian Carl Josef gab's vor knapp 'nem Monat. Nun hat es der 14-jährige Rollifahrer mit seinem Programm auch zu NightWash geschafft, trendet mit seinem ersten Fernsehauftritt aktuell auf YouTube und hat bereits nach einem Tag die 1-Million-Klicks-Marke durchbrochen.
Und auch wenn ich die meisten Punchlines schon von mir kenne, freue ich mich gerade sehr für ihn - und darüber, dass ein Mensch mit Behinderung einen Hype abbekommt, nachdem endlich mal nicht schon wieder alle rumheulen. Sit-Down-Comedy is maybe the next big thing. ;o)

"Mich kann nichts aufhalten - außer Bordsteine."
- Carl Josef


Als Stand-Upper im Rollstuhl hat man ja den Vorteil, dass allein die eigene Berufsbezeichnung schon eine Pointe für sich ist. Bisher kannte ich aber trotzdem keinen (wie leider auch in fast allen anderen kreativen Bereichen in der Öffentlichkeit). Bisher. Denn der junge Carl Josef hat nun seinen ersten (Gast)Auftritt als Stand-Up-Comedian im Mad Monkey Room in Berlin hingelegt. Und ich bin mir relativ sicher, dass es nicht sein letzter war.
Als Rollifahrer habe ich zwar alle Sprüche von ihm schon mindestens einmal irgendwo selber gebracht, habe deswegen aber umso mehr Respekt davor, dass er mein gesamtes und innerhalb von 32 Jahren aufgebautes Gag-Repertoire bereits mit 14 souverän und sympathisch auf einer Bühne raushaut. Das würde ich mich jetzt noch nicht mal trauen (oder zumindest nicht nüchtern). Maybe der neue Sit-Up-Comedy-Star der Zukunft.

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Kills on Wheels (deutscher Titel: Rolli Blues). Eine schwarzhumorige Komödie aus Ungarn über drei angehende anfahrende Gangsta im Rollstuhl, die im Budapester Untergrund ans Mafia-Milieu geraten. Ein Film mit jeder Menge Kugeln im Kopf, gut riechenden Comics und Mord durch Behinderungen.

Der 20-jährige Zolika ist auf seinen Rollstuhl angewiesen. Sein bester Freund Barba Papa ist ebenfalls körperlich beeinträchtigt. Als die beiden den Auftragskiller Rupaszov kennenlernen, der auch im Rollstuhl sitzt, geraten sie immer tiefer in die surrealistische und brutale Welt des ungarischen Gangsters.

Eine schöne Aktion von Aktion Mensch, in der jeweils 2 fremde Menschen zu einem Casting eingeladen wurden, die beide nichts voneinander wissen und dann eben spontan miteinander agieren müssen. Der Clou daran ist, dass immer einer der beiden eine Behinderung hat. 
Und da ich ja auch im Rolli sitze, kann ich von solchen Erstbegegnungen natürlich ein Lied rappen. Von daher würde ich sogar sagen, dass die meisten hier verhältnismäßig lässig reagiert haben. Ich hab' auf jeden Fall schon deutlich krassere erste Aufeinandertreffen erleben müssen/dürfen (mehr dazu nach the klick).











Und weil mir gerade danach ist, hab ich das einfach mal in die 4 häufigsten Gruppen unterteilt:

Erste Reaktionen auf mich und meine Behinderung:

1. Die Normalen, die mehr oder weniger normal reagieren. Die meisten meiner Freunde sind z.B. normal (jedenfalls, was das angeht 😉
2. Die-vor-dem-"Hallo"-fragen-warum-du-im-Rollstuhl-sitzt-Typen (die ich am liebsten mit "Irgendwer hat mir meine Schnürsenkel zusammengebunden." abwimmeln würde)
3. Die, die mal Zivi waren oder einen anderen Behinderten kennen und dir das ganz dringend und lang erzählen müssen (besonders toll, weil sie nun denken, sie kennen dich auch und an dir kleben bleiben wie ein Kaugummi)
4. Die, dir etwas schenken wollen, weil es so toll ist, dass Leute wie du sich auch aus ihrer Wohnung trauen (sind eigentlich kacke, können sich aber durchaus lohnen ¯_(ツ)_/¯)

Mehr Punkte bekommt ihr übrigens hier (im Rolli-Bingo).

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Nicht weniger irre als die Songs der südafrikanischen Duos. Aber dafür mal ungewohnt ruhig. Die Hardcorefans kennen den natürlich schon wieder längst (Umshini Wam, 2011), an mir ist der crazy Kurzfilm von Harmony Korine aber bisher völlig vorbeigegangen. 
Dafür weiß ich aber, dass der gelbe und die pinke Wheelchair-Gangsta von Die Antwoord in dem neuen Film vom District9-Regisseur Blomkamp zwei Hauptrollen haben. Und auf den aka Chappie freu ich nach dem Filmchen hier noch mehr. 


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