Das ist übrigens der selbe Fernsehturm, auf den Rollstuhlfahrer trotz eines Fahrstuhls nicht dürfen. Wegen "typisch deutschen Brandschutzbestimmungen", hat man mir damals gesagt und steht auch so ähnlich im Netz (damit sich auch ja keiner hinauf schleicht, der nicht richtig laufen kann, ist sicherheitshalber sogar noch eine Treppe vor dem eigentlichen Lift).
Ein wahrlich tolles Symbolbild für Inklusion. Denn im Endeffekt ist das alles doch ziemlich bezeichnend für den aktuellen Stand dieser Thematik: Die Bundesregierung feiert den internationalen Tag der Menschen mit Behinderung - und die "Party-Location" ist nicht barrierefrei.

Der Berliner Fernsehturm wurde Anfang der 1960er Jahre geplant und 1969 eröffnet. In dieser Zeit war man Menschen mit Behinderung gegenüber noch nicht so aufgeschlossen wie heute. Das Wort „Barrierefreiheit“ kam im Sprachgebrauch praktisch nicht vor und die erforderliche Rücksichtnahme auf die Belange von Menschen mit Behinderung war im alltäglichen Leben nicht im Bewusstsein der Gesellschaft.


Kills on Wheels (deutscher Titel: Rolli Blues). Eine schwarzhumorige Komödie aus Ungarn über drei angehende anfahrende Gangsta im Rollstuhl, die im Budapester Untergrund ans Mafia-Milieu geraten. Ein Film mit jeder Menge Kugeln im Kopf, gut riechenden Comics und Mord durch Behinderungen.

Der 20-jährige Zolika ist auf seinen Rollstuhl angewiesen. Sein bester Freund Barba Papa ist ebenfalls körperlich beeinträchtigt. Als die beiden den Auftragskiller Rupaszov kennenlernen, der auch im Rollstuhl sitzt, geraten sie immer tiefer in die surrealistische und brutale Welt des ungarischen Gangsters.

"Du machst auf Killer von morgen
- doch ich hab dich flowen hören und bin deshalb behindert geworden, Alter."

Ein im Rolli sitzender Rapper mit dem passenden Namen Rolling G war vor 2 Wochen beim neuen Rap Am Mittwoch (aka TopTier Takeover) zu Gast und hat dort mit ein paar gepflegt selbstverarschenden Punchlines seine Battle-Gegner restlos zerstört. Als "Waffe" nutzte er dafür einfach seine eigene Behinderung. Tja. So easy geht die Inklusion ins Rap-Game, Digga. Hip-Hop ist für alle da: One Love.

"Auf die Bühne steppen? Ich hab keine Zeit dafür -
Bruder guck dir dein Gesicht an - wegen dir wurde mein Behindertenausweis überhaupt erst eingeführt."

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Auf dem SOS-Hof Bockum leben und arbeiten 64 Menschen mit geistiger Behinderung. Vier von ihnen spielen in einer Band. Und ich habe gerade einen Ohrwurm von ihrem ersten Musikvideo, das vermutlich das schönste Musikvideo ist, dass das kleine Dörfchen in der Lüneburger Heide je hervorgebracht hat. Bitte mehr Klicks für die vielleicht beste behinderte Band der Welt, liebes Internet. Danke.

Die Bockum Band ist seit 2013 fester Bestandteil der SOS-Dorfgemeinschaft Hof Bockum. Die Dorfgemeinschaft beherbergt Wohngruppen, Hausgemeinschaften, ambulante Betreuungen sowie Werkstätten für behinderte Menschen.
Carlo, Daniel, Frank, Kathy und Marcel leben nicht nur alle in der SOS-Dorfgemeinschaft Hof Bockum, sie vereint auch eine große Leidenschaft: die Musik! Eine eigene Band - das war ihr großer Traum. Und mit dem Musikvideo „Anna“ verwirklichen sie auch gleich ihren nächsten Traum – den vom eigenen Musikvideo.

Klar. Beim aktuellen Pflege(not)stand in Deutschland und den immer noch herrschenden sozialen Diskriminierungen von Behinderten fällt der AfD beim Thema Menschen mit Behinderung natürlich nur eins ein: Alle auflisten und unterschwellig die Frage stellen, ob das nicht alles Inzucht-Opfer aus dem Ausland sind.
Anscheinend bekommen die inzwischen keine 2 Sätze mehr raus, ohne sie in den Kontext mit Migration zu bringen. Tja. Ich erlaube mir da jedenfalls mal eine Gegenfrage: Wie viele Menschen mit einer Lern- oder geistigen Behinderung sind eigentlich in der AfD? Ich würde ja schätzen, da liegt die Quote weitaus höher als 2%.


Kleiner Mix aus Musikvids, die ich mir gerade gegönnt habe: Shigeto mit der chilligen Fortsetzung seines Detroits, Romano mit einem etwas anderen Rapsong über Mütter und Trailerpark mit einer "behinderten" Hymne für ganz normale Menschen wie mich. ( ͡° ͜ʖ ͡°)

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Samuel Koch steht auf setzt sich ein für den für behinderte Menschen nicht besonders attraktiven (Teilhabe-)Gesetzesentwurf für behinderte Menschen. Auch wenn ich ja dachte, dass die Nummer mit der Heirat abgeschafft und die 2600er-Grenze laaaaangsam angehoben wird.
Furchtbar bleibt aber die Tatsache, dass das neue Gesetz es ermöglicht, Behinderte aufgrund Kostenersparnisse wieder vermehrt in Heime stecken zu können. Und das ist für mich, der ein halbes Jahr die Stadt verklagen musste, um nicht in ein Altersheim "eingesperrt" zu werden ein richtiger Schlag in die Fresse (dass ich nullkommanix erben darf, trifft dann eher meine Eltern ins Gesicht).
Zusätzlich habe ich den Fehler gemacht, die Kommentare unter Samuel Koch's Post zu lesen, in denen mal wieder steht, dass ich ja Sozialhilfeempfänger bin und somit auch solidarisch meinen Teil zur Gesellschaft beizutragen habe, in dem ich verzichte. Als ob ich mir ausgesucht hätte, Sozialhilfe zu empfangen, die eigentlich nur zur Unterstützung eines bestimmten Lebensabschnitts gedacht ist. Ich habe diesen Status eben mein fuckin' Leben lang.
Außerdem sollte man vielleicht mal betonen, dass meine Sozialhilfe mir geldtechnisch keinen einzigen Cent einbringt. Das gesamte Budget, das ich erhalte, geht an 6 Menschen aka Assistenten, die dadurch einen Job haben und dadurch wiederum Sozialabgaben und Steuern zahlen wie ich als - in dem Fall - Arbeitgeber auch. Im Prinzip finanziere ich durch meine Sozialhilfe also 6 Leute und gebe knapp 1/3 des Geldes an Krankenkassen ab. So viel zum Thema solidarischer Beitrag für die Gesellschaft.
Als Deal kann ich dafür dann halt so leben, wie ein ganz normaler Dude (von den Behinderungen im Alltag mal abgesehen). Ich kann aufstehen und ins Bett gehen, wann ich will. Ich kann rausgehen, wann ich will (auch wenn es nachts um 2 für 1 Bierchen ist). Ich kann pinkeln, wann ich will (bzw. wenn ich muss).
Ich kann duschen, wann ich will. Ich kann mich mit meinen Freunden treffen, wann ich will (und wann sie wollen). Ich kann essen, wann und vor allem was ich will. Und ich muss auch nicht die 54-jährige Krankenpflegerin Erna mit aufs Festival nehmen, um dort bspw. pinkeln zu können, sondern kann mir aussuchen, wer was mit mir anstellt. Abgesehen davon hätte Erna sowieso keine Zeit, um mit mir rauszugehen. Die anderen Heiminsassen brauchen ja auch Hilfe.
All' das ist jedenfalls nur möglich, weil ich nicht in einem Knast Heim bin. Und all' das brauche ich nun mal - sowohl für mein Sozial- als auch für mein Berufsleben. Ist das echt zu viel verlangt? Anscheinend schon. Aber ehrlich gesagt, habe ich mich ja ohnehin abgefunden damit, dass die Menschheit eher daran interessiert ist, sich auf dem Mars anzusiedeln, als hier erstmal alle Dinge zu regeln.

Das Heimexperiment von Raul Krauthausen findet ihr in voller Länge übrigens hier.

Wir alle lieben Graffiti und Streetart. Blinde können diese Kunstform hingegen leider so gut wie gar nicht wahrnehmen. Bis jetzt zumindest. Der Konzeptkünstler Alexis Dworsky und Beatmaker Sepalot (ehemaliger Blumentopf-DJ) haben sich dieser Ungerechtigkeit nämlich mal angenommen und versucht die Kunst der Straße auch außerhalb des Auges zugänglich zu machen (die Kunst der Inklusion)
Dazu haben sie u.a. besprühte Wände in gigantische Blindenschrift (Braille-Schrift) übersetzt und passende Audiospuren als Knopf installiert. Das Ganze hat dann den passenden Namen Blind Style und ist, wie ich, finde, ein durchaus spannendes Projekt - sowohl für Blinde - als auch für Nicht-Blinde.


Video nach dem Klick (weil Autoplay): ...weiterlesen "Blind Style | Graffiti für sehbehinderte Menschen (übersetzt in fühl- und hörbare Kunst)"

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Ich rede hier ja nur selten über mich (das machen andere ja schon genug). Diesmal habe ich allerdings einen guten Grund dazu. Denn die Probleme, die im Interview von Tilo Jung mit Raul Krauthausen angesprochen werden, sind auch meine. Auch ich sitze im Rollstuhl. Auch ich habe Assistenten. Und auch ich darf deswegen nur maximal den doppelten HartzIV-Satz als Monatsgehalt verdienen bzw. überhaupt nur maximal 2600€ auf meinem Konto besitzen. 
Gut, Geld ist ohnehin nicht so meins, ich brauche nicht viel davon zum leben und hab' auch nie viel Wert darauf gelegt, ein Karrierefuzzi zu werden (siehe dieses Blog ;)). Aber, dass ich mein Leben lang auf nichts sparen kann, was mehr Wert ist als 2600€, finde ich dann doch - wie sagt man? - behindert. Krass behindert sogar. Dass es soweit geht, dass meine Eltern sich überlegen müssen, an wen sie ihr Erbe hinterlassen, da ich ja ohnehin alles abgeben müsste, ist für mich dann sogar offensichtliche Diskriminierung. Beim Heiraten ist es die gleiche Scheiße in grün. 
Für mich klingt das jedenfalls alles so gar nicht nach 2016 und gehört dringend mal geändert. Dafür sehe ich dann auch weiterhin ein, dass ich in die Hälfte aller Gebäude nicht reinkomme (mit Klagen hab' ich's eh nicht so) oder nur maximal 10% aller Klos nutzen kann. Ich finde, das ist ein fairer Deal.

Falls ihr mithelfen wollt, hier ist die Petition zum Teilhabegesetz, die diesen behinderten Behördenunsinn abschaffen soll.

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Eine schöne Aktion von Aktion Mensch, in der jeweils 2 fremde Menschen zu einem Casting eingeladen wurden, die beide nichts voneinander wissen und dann eben spontan miteinander agieren müssen. Der Clou daran ist, dass immer einer der beiden eine Behinderung hat. 
Und da ich ja auch im Rolli sitze, kann ich von solchen Erstbegegnungen natürlich ein Lied rappen. Von daher würde ich sogar sagen, dass die meisten hier verhältnismäßig lässig reagiert haben. Ich hab' auf jeden Fall schon deutlich krassere erste Aufeinandertreffen erleben müssen/dürfen (mehr dazu nach the klick).











Und weil mir gerade danach ist, hab ich das einfach mal in die 4 häufigsten Gruppen unterteilt:

Erste Reaktionen auf mich und meine Behinderung:

1. Die Normalen, die mehr oder weniger normal reagieren. Die meisten meiner Freunde sind z.B. normal (jedenfalls, was das angeht 😉
2. Die-vor-dem-"Hallo"-fragen-warum-du-im-Rollstuhl-sitzt-Typen (die ich am liebsten mit "Irgendwer hat mir meine Schnürsenkel zusammengebunden." abwimmeln würde)
3. Die, die mal Zivi waren oder einen anderen Behinderten kennen und dir das ganz dringend und lang erzählen müssen (besonders toll, weil sie nun denken, sie kennen dich auch und an dir kleben bleiben wie ein Kaugummi)
4. Die, dir etwas schenken wollen, weil es so toll ist, dass Leute wie du sich auch aus ihrer Wohnung trauen (sind eigentlich kacke, können sich aber durchaus lohnen ¯_(ツ)_/¯)

Mehr Punkte bekommt ihr übrigens hier (im Rolli-Bingo).

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This Is Normal (von Justin Giddings und Ryan Welsh) handelt von einer tauben Frau, die durch eine Operation wieder hören kann, aber nun ihr gesamtes Leben neu erleben muss. 
Das besondere Feature an dem Kurzfilm ist das fein ausgearbeitete Sounddesign, das immer wieder die Egoperspektive des jeweiligen Hörers einnimmt (und z.B. abdumpft). Für den besseren Audiogenuss solltet ihr euch von daher lieber eure Kopfhörer schnappen. Und schön die Lauscher spitzen. Es lohnt sich. 

"THIS IS NORMAL is about a young deaf* woman named Gwen who undergoes an experimental medical procedure that is supposed to ‘cure’ her of her deafness and give her the ability to hear. Despite the controversy, Gwen risks her friends, culture, and identity to discover the answer to the question, “Is it worth giving up who you’ve BEEN for the ‘maybe’ you could BECOME?”

(Direktlink)
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Ein 6 1/2-minütiger Ausschnitt aus Glance Up, einer Feature-Doku (von Enric Ribes & Oriol Martínez) über einen kleinen Mann mit einer großen Leidenschaft.

"Joan Pahisa is 28 years old and has a huge passion: basketball. It would be nothing extraordinary except for a detail: he's exactly one meter tall."

(Direktlink zum Vid)
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