Gestern hat die Gesellschaft für deutsche Sprache "Corona-Pandemie" als Wort des Jahres 2020 gekürt und selten hat mich etwas weniger überrascht im Leben. Um dieser enttäuschenden Top10 der Einfallslosigkeit im Land der angeblichen Dichter und Denker etwas entgegenzuwirken, hier als kleine Ergänzung mal (m)eine Liste mit neuinfizierten Wörtern, Sätzen, Buchstaben und Zahlen des Jahres, die 2020 mit einer hohen Viruslast durchseucht haben:

Meine Wörter und Unwörter des Jahres: (sucht euch einfach selbst aus, was was ist):

Abstand / "mit Abstand der/die/das beste" (oder: Social Distancing)
Corona-Party (wahlweise auch Partyszene oder Corona-Depris)
Coroni (Kosename fürs Pandemie-Virus, wahlweise auch Conora oder Corinna)
positiv (das neue negativ)
Kontaktperson1 (oder: Knuffelkontakt)
Community-Maske (deutsche Übersetzung: Alltagsmaske)
Desi (als Kurzform für Desinfektionsmittel)
Aerosole (2020 nicht mehr nur mit CO2, sondern auch mit Viren in der Luft)
Hygienekonzept (Hygienekonzept des Jahres: lüften)
Lockdown Light (wahlweise auch: Teil-Shutdown oder Wellenbrecher-Shutdown)
Präventionsparadox ("There is no glory in prevention.")
Lockerungsdiskussionen (und Bundesligaspiele während einer fucking Pandemie)
Superspreading-Event (oder: Cluster-Quarantäne)
Risikogebiet (oder: Beherbergungsverbot)
Klopapierknappheit (oder: Hamsterkäufe)
Virologen-Battle (und "Drosten", aber als Verb)
Nasen-Rachen-Abstrich ("Wir müssen alle Abstriche machen")
zoomen (das auch benutzt wird, wenn man Zoom dafür gar nicht benutzt)
Neue Normalität (oder: In Zeiten von Corona)
Brennglas (☀️🔍🦠)

Sätze des Jahres:

- "Ja, ist gut jetzt." (Drosten, als er zum 3000. mal jemandem Exponentialfunktionen erklären sollte und damit das Jahr unabsichtlich zusammenfasste)
- "There is no glory in prevention." (ein altbekanntes Sprichwort unter Medizinern und Wissenschaftlern)
- "Könnt ihr mich hören?/Kannst du mich hören?" (aus wirklich jeder Videokonferenz)
- "Ich habe Besseres zu tun." (Drosten, als er die BILD per Tweet zerstörte)
- "Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge." (Merkel, als sie in ihrer Fernsehansprache im März "Rücksichtnahme" im Jahr 2020 ziemlich gut neudefiniert hat)

Buchstaben des Jahres:

- Das große C als Synonym dafür, wenn man ihr wisst schon was nicht aussprechen möchte
- Das zweite A in den AHA+A+L-Regeln, das für Maske steht.
- Das R im erst superwichtigen und dann in der Bedeutungslosigkeit verschwundenen R-Wert (wahlweise auch das R aus RKI oder PCR-Test).

Zahlen des Jahres:

- Jede Neuinfektionszahl (Genauer: 19200. Die Zahl, die Merkel im September für Weihnachten rechnerisch prophezeit hatte und anfangs als Panikmache wegdiskutiert wurde, bis sie dann bereits im Oktober eintraf)
- 1,5 (Meter Abstand halten, bitte)
- Die 3 Polizisten, die es gebraucht hat, um den selbsternannten Widerstand der Corona-Leugner-Nazis und ihren "Sturm" auf den Bundestag aufzuhalten.

Emojis des Jahres:


Tja, Leute. Gestern war noch März, heute ist schon der erste Advent. Und sobald wir alle 24 Türchen geöffnet haben, um ordnungsgemäß stoßzulüften, sind wir auch schon so gut wie durch mit diesem schrecklich tollen Jahr.
Damit ihr vorher aber erstmal so langsam in Weihnachtsstimmung kommt, gibt's schon mal den bisher schönsten Corona-Christmas-Song von Friedemann Weise: Covid Navidad!


Einer meiner Lieblings-Podcasts derzeit, in dem ausnahmsweise mal nicht nur Quatsch gelabert, sondern journalistisch aufbereitet in die Glaskugel geschaut wird. Jede Woche wird jeweils ein Thema mit diversen Experten durchgesponnen bzw. einfach "mal angenommen", um euch ca. eine halbe Stunde in die ein oder andere Zukunft reisen zu lassen.
Die kurzweilige Zeitmaschine für die Ohren kommt von der tagesschau, hat mittlerweile auch schon Preise gewonnen und ist ein bisschen an wie die Audio-Version der Sci-Fi-Szenario-Erklärbären von kurzgesagt. Diese Woche geht es übrigens um eine Zukunft, die wohl ausnahmslos jedem gefallen dürfte: eine Zukunft ohne Corona.

„Ich hab‘ in vielen Sachen keine Ahnung. Ich bin selber oft genug ein Vollidiot und weiß in diesen verrückten Zeiten immer öfter selber nicht, was richtig und was falsch ist. Aber eins weiß ich noch: Ersaufen lassen ist nicht richtig. Leute in solchen Lagern leben lassen, ist nicht richtig.“

Lange nicht mehr so wahre und aufrichtige Worte auf Facebook gehört: Monchi hat der Mission Lifeline seine Stimme geliehen, um - während wir uns auf das angeblich "härteste Weihnachten seit der Nachkriegszeit" vorbereiten - auf diejenigen aufmerksam zu machen, die in einer Pandemie nicht darüm fürchten, ein paar Festtage vielleicht nicht wie gewohnt feiern zu können, sondern bis dahin zu überleben.

https://leavenoonebehind2020.org/

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Neue Songs von Megaloh, den Orsons und 3Plusss, die alle sehr still klingen in Zeiten von Corona. Und als Alarmsignal ist das vielleicht gar nicht die schlechteste Idee, um auf die dahinsiechende Kulturbranche während dieser Pandemie aufmerksam zu machen.
Richtig beängstigen und als Streik dann auch funktionieren würde das aber wahrscheinlich erst, wenn Spotify, YouTube & Co mal alles komplett stilllegen würden. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres, als wenn die Musik für immer ausgeht. Das wusste schon die Band auf der Titanic damals.


Kleines Deutschrap-Update in kulturlosen Zeiten mit dem viele Fragen habenden Juse Ju, der Paranoianalyse von Luis Baltes, Dexters trappenden way of life, Dölls 5 Sekunden und ein nur noch Asche hinterlassener Pilz.


...weiterlesen "Musik-Vids-Mix: Juse Ju, Luis Baltes, Dexter, Döll & Pilz"

In einer Pandemie ist das Wichtigste anscheinend das Weihnachtfest, damit Santa u.a. dem Amin aus NRW und der Jana aus Kassel dieses Jahr hoffentlich ein Geschichtsbuch schenken kann. Das Böllerverbot mutiert derweil zum neuen Tempolimit. Und alle warten weiter sehnsüchtig, dass dieses Jahr vorbeigeht und der Impfstoff bald ballert. Twittwoch #48.

...weiterlesen "Twittwoch #48"


Aus absurden und bitteren Wortfetzen von Merkel & Co diese Pandemie versamplet: Producer Rasmes macht seit der StayHome-Season im März YouTube-Remixe, als wäre er ins Jahr 2012 zurückgereist und liefert nun regelmäßig kleine Coroni-Hits. Schön, dass wenigstens das Internet aus dieser ganz Virus-Scheiße noch ein paar schöne Dinge zaubern kann.



So wie es auf dieser russischen Cyberpunk-Farm aussieht, hatte ich mir das Jahr 2020 ja eigentlich vorgestellt. Ein optisch abgefuckter und durchaus realistischer Sci-Fi-Mix aus Neil Blomkamp & Simon Stålenhag. Schade, dass wir stattdessen eine langweilige Pandemie bekommen haben.

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Wahre Worte meiner Lieblings-Transformationswissenschaftlerin Maja Göpel, die wie vermutlich alle Wissenschaftler in Zeiten von Corona & Klimawandel manchmal an der Menschheit verzweifeln könnte. I feel your anger, Science.

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Eigentlich hat Sarah Bosetti schon alles gesagt, was es zu diesen ganzen beschämenden Vergleichen der Covidioten zu sagen gibt. Aber dieser Clip von der letzten Trottel-Demo der Corona-Leugner sieht nicht nur aus wie ein unglaublich schlechter Poetry Slam - es ist auch ein sehr befriedigender Real-Life-Sketch über das Jahr 2020, in dem selbst einem vermeintlichen Ordner vorort bei einer mehr als peinlichen Rede alles zu blöd wird.
Und für mich mutiert er ja zu einem kleinem Helden, als er ihr während seines entschiedenen Abgangs die Meinung geigt, die selbsternannte "Widerstandskämpferin" sich anschließend weinend umdreht und mit dem Fuß aufstampfend von der Bühne rennt. Tja. Wahrscheinlich wurde es dieses Jahr schon sehr oft gesagt, aber Meinungsfreiheit heißt eben auch, dass andere meinen können, dass deine Meinung gequirlte Scheiße ist, liebe Jana.