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"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben."

Es sind seltsame Zeiten, in denen wir gerade leben. Nach Synthwave, Vaporwave und sogar Simpsonswave ist nun offenbar auch Merkelwave kein einmaliges Ding mehr, sondern sowas wie ein neues Musik-Genre. Diesmal bestehend aus Samples aus der vermutlich schon historischen Lockdown-Ansprache zur Corona-Pandemie. Und ich weiß zwar noch nicht, ob ich das beruhigend, deprimierend, motivierend, lustig oder verstörend finden soll, es ist aber - mit Abstand - der passendste Soundtrack zu meiner aktuell hin- und herpendelnden Gefühls(chaos)lage.

Vermutlich wären alle inklusive mir irgendwann komplett durchgehdreht, wenn wir uns in der langen Zeit zuhause nicht Netflix-Filmen oder Musik-Streams zwischendurch hätten ablenken können. Und für mich ist Kultur allein deswegen schon systemrevelant, weil ich in Quarantäne-Zeiten sonst vermutlich bereits vor Langeweile gestorben wäre.
Im Gegensatz zu gerade ausbleibenden Blockbuster-Premieren, gibt es aber auch jetzt zum Glück noch neue Musik. Und zwar nicht nur beim Club-Replacement UnitedWeStream (oder Autokinos), sondern auch durch etliche Wohnzimmerkonzerte und allerlei andere virtuelle Formate, die überall aufgeploppt sind. Inzwischen inklusive komplett digitalen Festivals.
Ich hab' dafür mal ein kleines Best-Of von den ganzen Live-Sessions erstellt, die allein bei mir zuhause in den letzten Wochen so über den Bildschirm flackerten. Mit dabei bei meinem kleinen Tanz-auf-dem-Sofa-Festival sind: die Quarantöne-Mine, Post Malone als neues Nirvana und in ihren Wohnzimmern peformende Künstler wie Erobique, Liser, Modeselektor, Giorgia Angiuli, Bodo Wartke, und Four Tet im isolierten Boiler Room, TOKiMONSTA mit dem vermutlich besten Background beim Digital Mirage Festival, Quarantäne-Specials vom Lumpenpack und dem Ding ausm Sumpf, Juicy Gay und Die toten Crackhuren im Kofferraum im Berlin Culture Cast und Igor Levit, der ausnahmsweise nicht zuhause, sondern im Schloss Bellevue am Klavier saß (inklusive Intro vom Bundespräsidenten). Also: Holt euch ein Bier, macht euch 'ne Dose Ravioli mit dem Feuerzeug warm und genießt die Show(s). Oder macht euch einfach nur ein schönes Wochenende mit sehr guter Live-Akkustik-Atmosphäre.






...weiterlesen "Kulturprogramm zum Wochenende: Wohnzimmerkonzerte/DJ-Sets | U.a. Igor Levit, „Nirvana“ & Die toten Crack-Huren im Kofferraum"


Eigentlich hatte sich der ein oder andere beim gestrigen #FreeESC ein Comeback von Stefan Raab erhofft. Stattdessen performte aber eine andere große Entertainment-Legende, die der neuen Show einen deutschen Sinatra-Moment schenkte - und den passenden Song zur Pandemie: Helge Schneider - Forever at Home. Für mich der heimliche Gewinner des gestrigen Abends (gerade, weil es laut eigenem Statemnt wohl vorerst sein letzter Auftritte war).

 

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Ein Beitrag geteilt von Steasy (@steasyofficial) am


Steasy versprüht HipHop-Vibes und gute Laune vom Dach und hat offensichtlich sehr viel Spaß dabei. Ich auch. Und seine Message aus dem Zusammenschnitt aller Rooftop-Sessions, die ich so unterschreiben würde, teile ich hier auch gleich mal mit:

6 Sessions, 6 Wochen... Ich hab die Quarantänezeit ein bisschen genutzt und neben der Albumarbeit jede Woche einen kleinen exklusiven Song auf meinen Dach aufgenommen. Hier könnt ihr alle am Stück sehen. Have FUN and stay healthy! 🙌🏼❤️

Gebt auf euch und euer Umfeld acht und bleibt solidarisch. Keiner hat Bock auf einen zweiten Lockdown, aber jeder will auch wieder seine persönliche Freiheit zurück. Bin keine Experte, aber ich denke das funktioniert nur, wenn wir jetzt alles, was wir offiziell wieder dürfen, noch mit sehr viel Vorsicht genießen. Das kann man sehr gut auch wörtlich nehmen. Steigende Infektionszahlen und die damit verbundenen erneuten Einschränkungen wären Wasser auf die Mühlen der Nazis, Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker, die das Land und nicht zuletzt Europa spalten wollen. Also macht euch immer wieder bewusst, dass es noch lange nicht vorbei ist. Ich bin nicht so scharf auf Bürgerkrieg✌🏼🏳️‍🌈


Wenn ihr von Electro-Mucke in Club-Streams mal eine Pause braucht: es gibt auch Hip-Hop-Partys, die bei United We Stream ins Netz gekickt werden. Meine 3 Favoriten bisher: Visa Vie & Josi Miller im Astrakulturhaus & Salwa Benz in der Panke (mein Lieblingsschuppen in Wedding). DJs for Life - auch in der Pandemie. ♡


Musik gegen und gegen Corona und kleine miese Tüpen: Die Orsons gehen nicht auf Party, 3Plusss rappt über Aluhutträger, die Antilopengang zerlegt Oli Pocher, Liser & Zirkel gehen nie wieder raus und Steasy trägt Maske wie Sido.


...weiterlesen "Musik-Vids-Mix: Die Orsons, 3Plusss, Antilopengang, Liser & Steasy"

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Bodo Wartke hat in den letzten Wochen so oft Corona-Podcasts mit Virologen gehört, er kann mittlerweile ein Lied davon singen. Es heißt - wie sollte es auch anders sein: Christian Drosten. Und der mittlerweile für seine wissenschaftliche Kommunikation und Nerd-Analysen zurecht(!) geehrte Professor der Charité mag zwar den Personenkult um ihn herum so gar nicht, musste laut eigenen Aussagen in der letzten Podcast-Folge aber durchaus schmunzeln bei dem Song. Demnach ist die neue Virologen-Hymne auch aus wissenschaftlicher Sicht zum "lachen", was fürs Immunsystem ja auch nicht unbedingt schlecht sein soll. ;o)


Woodkid hat erneut ein oscarreifes Musikvideo veröffentlicht, das den menschengemachten Klimawandel samt der Ressourcen-Ausschlachtung unseres Planeten durch gigantische Maschinen mit dieser Message zusammenfasst: Wir haben ein Monster erschaffen.


Die kleine Audrey singt sich beherzt wie Zack de la Rocha damals die Seele ausm Leib und zeigt sich dank Begleitung von Papa von ihrer funkigen Punk-Metal-Seite. Das vielleicht härteste Rage-Against-The-Machine-Cover, das es jemals gab. 👊

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Ihr habt es vielleicht mitbekommen. Nach gestreamten Konzerten vor leeren Hallen sind nun anscheinend Autokinos das nächste große Ding für Künstler bzw. gerade vor allem die Musikbranche. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll, weil es umwelttechnisch jetzt nicht unbedingt die geilste Lösung ist und für mich da fast noch weniger Stimmung rüberkommt, als auf Zoom-Parties vorm Rechner daheim, wo ich wenigstens ein paar fröhliche Gesichter sehe.
Ich glaube allerdings auch, dass Live-Unterhaltung bzw. Kunst und Kultur wesentlich wichtiger ist, als wir alle denken und aktuell viel öfter debattiert werden sollte. Ich persönlich sehne mich jedenfalls viel mehr danach als jetzt in irgendwelche Geschäfte zu rennen, wo ich eigentlich gar nix brauche. Mir macht einkaufen gehen nämlich keinen Spaß. Null. Zumal das mitten in einer Wirtschaftskrise vielleicht nicht die idealste Beschäftigungstherapie für alle ist.
Dann doch lieber erstmal Hupkonzerte, die ich mir dank Arte allerdings schön von zuhause aus reinziehe. Neben Alligatoah könnt ihr übrigens auch Sido und erste (leider sehr atzige) Club-DJs vor blinkenden Karrosserien bewundern. Ich gönne der Kulturbranche jedenfalls hart, dass sie dadurch ein bisschen länger leben kann, hoffe aber trotzdem sehr, dass wir in den nächsten Monaten vielleicht noch eine bessere Lösung für solche Events finden.

Eine Musikerin (makeshift.macaroni) tut in diesen pandemischen Zeiten das, was sie am besten kann: Musik. Und mit diesem unglaublich gefühlvoll vorgetragenen Song fängt sie vor allem lyrisch sehr treffend ein, wie uns allen wohl gerade zumute ist.

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Pimf hat abseits der ülichen Punchlines gegen den bösen Virus einen Corona-Rap-Track geschrieben, den ich ehrlich gesagt sehr viel mehr fühle als die meisten entweder satirisch angehauchten oder mit Durchhalte-Phrasen ausgestatteten Texte der gerade daueraufploppenden Quarantäne-Songs aus den Wohnzimmern aller Rapper bzw. Musiker. In diesem Song gibt's stattdessen nämlich einfach mal Real-Talk.
Übrigens halte ich Angst für eine sehr natürliche Reaktion, weil es eine Art aufmerksamer Überlebensinstinkt ist, der auf einen Acht gibt. Das kann in Zeiten wie diesen ja durchaus nützlich sein. Und zur Not kann man sich ja immer noch mit hoffentlich guter Musik ablenken. Zum Beispiel mit dieser Coroni-Playliste, wo ich diesen Song auch mal reingepackt habe.