Conny antwortet auf eine gesamplete Greta mit all den üblichen Floskeln, auf die Generation FridaysForFuture wahrscheinlich zurecht mit "Ok boomer" reagieren würde. Und das Ergebnis ist ein wunderbar zynischer Klimaprotestsong, den sogar Klimawandelleugner hören können. Kannte ich bisher nur als Audio (aus dieser Playliste), gibt's aber auch als schickes Video mit Retro-alte-weiße-Männer-Optik und täuschend echtem Greta-Double.

Ich habs mir verdient, ich habs mir verdient
Ich zahle doch auch Steuern auf das Kerosin (Moment)
Ich zahl keine Steuern auf das Kerosin?
Dann liegt das aber an der Politik, oder niiicht?

Ich hatte die Kreuzfahrt schon gebucht (Shoutout Urlaubsguru!)
Fahr mal nach Spitzbergen mit dem Zug (sehr lang)
Ich lasse mir nicht sagen dass ich ein Verbrecher bin
Ich bin kein schlechter Mensch, nur ein „dir gehts schlechter Mensch“!





Eigentlich sind Deutschrappers ja nicht unbedingt für ihr immenses Umweltbewusstsein bekannt, sondern für fette SUVs und überhaupt möglichst übertriebenem Konsum, um zu zeigen, wie unsinnig viel Kohle man doch mit dem ganzen Rapding gescheffelt hat, weil man ja so toll ist. Und so manch einen Rapper müsste man wahrscheinlich erstmal davon überzeugen, dass die Erde eine Kugel ist, bevor man ihm von der tatsächlichen Gefahr des Klimawandels erzählt.
Zum Glück ist Deutschrap aber mittlerweile extrem vielseitig geworden und inzwischen gibt es sogar gar nicht mal so wenige Songs, die sich dieser Thematik inklusive Greta-Samples angeommen haben und sich durchaus als (teils zynische, teils ironische, teils ehrliche) Klimaprotest-Hymnen betiteln lassen könnten. Eine kleine Auswahl davon bekommt ihr hier mit Tracks von u.a. Conny, Das Ding aus'm Sumpf, Veedel Kaztro, Lugatti & 9ine, Alligatoah, Laurin Buser und meiner Grün-Playliste, die angeführt wird von der Lazzy Lizzard Gang. HipHop is still my Lieblingsprotestform. One Love, One Planet und so. 💚



Es ist Tarek K.I.Z., ihm gibt niemand ein Korb - dafür er uns aber ein Album. Der nubische Prinz der erwachsen gewordenen Kannibalen in Zivil lässt den Golem frei, dessen Seele schwarz wie eine Coca Cola ist. "Hier endet der Ironie-Raum (...) Jetzt geht es an die Substanz.", schreibt die ZEIT. K.I.Z. für immer, schreibe ich.


Für mich ein Mix aus Blumentopf und Deichkind, für andere ein Mix aus Käpt'n Peng und Marteria: Das Ding ausm Sumpf. Der nächste promovierte Deutschrap-Doktor nach David P, Holunder & Lady Bitch Ray, der offenbar sehr gute Produzenten gefunden hat (u.a. Sorgenkind) und euch antikapitalistischen, politischen und trotzdem gut ballernden HipHop aus München serviert. Meine neue, eigentlich schon ein Jahr alten und endlich mal nicht cringy klingenden Klima-Protest-Hymnen aus der Expedition-1-EP: Wer, wenn nicht wir (WWNW) & Draußen bei den Windrädern. 👊

"Mit dem Herz in der Hand und dem Kopf durch die Wand."


Der gute Sorgenboy hat das neue Spiegel-Cover mit dem alten Prügelknaben mal noch etwas verfeinert und seinen kreativen Senf dazugegeben. Echte Gangstas lutschen natürlich Salmiak-Bonbons zum Frühstück.

via


Manchmal hat man ja das Gefühl, der einzige aus seinem Umfeld zu sein, der nicht erwachsen zu werden scheint und auf ewig der einzige Typ zu sein, der spontan Zeit hat, weil man sein Leben weder der nicht vorhandenen Karriere noch den nicht vorhandenen Kindern gewidmet hat und immer noch den selben entspannten Lifestyle wie früher pflegt, der naiv in den Tag hinein lebt.
Mir geht das jedenfalls oft so. Und nicht selten frag' ich mich dann, ob ich jetzt eigentlich der hängengebliebene Trottel bin, der in der Vergangenheit feststeckt - oder ob alle in meinem Alter einfach viel älter sind als ich und bald vor Langeweile sterben während ich weiterhin regelmäßig in Clubs & Bars stolpere als wäre ich noch nicht so weit, damit aufzuhören. Peter-Pan-Syndrom mit chronischer Chill- und Feierlaune wäre ja meine Eigendiagnose. Oder wie Aaron Grav in dem Soundtrack für diesen Text (und anscheinend mein Leben) sagen würde: Träumer. Für immer.

[pre-hook]
ich will noch nicht, d-ss es endet
vielleicht morgen, vielleicht gar nicht
mach mir keinen kopf, keine panik
ich will noch nicht, d-ss es endet
tut mir leid mum, träum noch weiter
hab fürs echte leben keine zeit grad’

[hook]
nimm es, dip es, fühl es, komm klar (yeah)
trink es, zieh es, fühl es, komm klar (wow wow wow wow ey ey)
nimm es, dip es, fühl es, komm klar (komm klar)
trink es, zieh es, fühl es, klar (wow wow wow ey wow wow)

[outro]
greife nach den sternen – wie ein frisches shirt
bestes jahr des lebens – noch nicht erlebt
hab nur das gefühl, d-ss grad was geht
meine freunde und ich bleiben träumer für immer


Traditionell ploppen in den Tagen zwischen den Jahren immer drölfzig verschiedene Deutschrap-Jahresrückblicke auf YouTube auf und ebenso traditionell gucke ich mir einen nach dem anderen an, weil ich sowohl Deutschrap als auch Jahresrücklicke manchmal doch ganz gerne habe. Besonders, wenn es eine so sympathische und gemütliche Stammtischerunde mit stabilen Leuten aus der HipHop-Bubble ist, die in dem Fall bei deinen Homegirls das Best-Of-2019 bequatschen und wie ich immer noch das Album von Tua abfeiern. Bester HipHop-Rewind des Jahres bisher, wie ich finde.

Visa Vie, Alex Barbian, Juicy Gay und Zino zu Gast beim Jahresrückblick der Homegirls! In gemütlicher Atmosphäre lassen Helen Fares und Josi Miller das Jahr 2019 Revue passieren. Im ersten Akt kocht die illustre Deutschrap Runde vegane Bolo á la Morlockk Dilemma und spricht über Festivalmomente, Emanzipation weiblicher MCs und Cancel Culture im Deutschrap. Im zweiten Akt dinieren die 6 Rap-Freunde gemeinsam Bolo, während sie über die besten Alben und Songs des Jahres sinnieren. Außerdem wird über Fanmomente mit Otto, das Ende des allerletzten Interviews und die verheißungsvollsten Newcomer gesprochen.



Deutschrap hat jetzt scheinbar auch einen Ali G. Fler und Sido waren zu Gast beim grandiosen Mr. Rap, der Deutschrap-Interviews ganz trocken und lockereasy auf das nächste Level der Fun-Skala wuppt. Comedy-Gold für HipHop-Nerds.


Das allerletzte das allerletzte Interview: Moderatorin und inzwischen fleißige Buchautorin Visa Vie hat aus dem Nichts das dritte und finale Kapitel ihres Hörbuch-Krimis rausgebracht, das biographisch angehauchtes Insiderwissen of Deutschrap aus der weiblichen Perspektive einer Serienmörderin erzählt. Mordfantasien, Sexismus, Rache, viele Anekdoten über Rap und eine subtile Abrechnung mit der deutschen Hip-Hop-Szene.

Clara hat einen Plan - einen mörderischen Plan. Sie will den erfolgreichsten Rapper des Landes in einem letzten Enthüllungs-Interview bloßstellen und ihn im Anschluss umbringen. Die Herausforderung: Mit Deutschrap hat sie absolut nichts am Hut. Die Lösung: Sie schleust sich als Moderatorin bei einem der größten HipHop-Magazine Deutschlands ein und infiltriert die Szene.
Schafft sie es, ihren Plan in die Tat umzusetzen? “Das allerletzte Interview” ist eine Crime Story von Visa Vie. Die Personen und die Handlung sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.


...weiterlesen "Das allerletzte Interview | Das finale Kapitel vom Deutschrap-Crime-Hörbuch von Visa Vie"


Der Täubling. Eine untergrundperlige Deutschrapmische bestehend aus einem Cro auf Crack, einem kiffenden Kafka und einem taktvollen Taktlo$$. Pornöse Poesie mit melancholisch vor sich hin kotzender Herbststimmung und einem September im November.


Taddl aka TJ_beastboy ist laut seiner EP der Hyperreal-Ravelord, der deutschen Techno-Rap nochmal ganz neu auflegt und auflädt. Ohne Autos und Geld, aber dafür mit ordentlich Biss, Bass und 1000 mal cooler.

Du sitzt im Mercedes und siehst aus wie ein Loser
Mann, ich sitze in der Bahn und fühl' mich tausendmal cooler
Ey, du flext mit deinem Money und siehst aus wie ein Loser
Mann, ich flex' mit was ich kann, denn ich bin tausendmal cooler


Pimf rappt straight outta deutschem Mittelstand darüber, wie gut es ihm eigentlich geht und entlässt euch mit der Liebe ins Wochenende, die leider so oft fehlt. Endlich wieder ein Deutschrap-Lovesong, den ich mag. <3

"Ich hab richtig Schwein und nichts dafür geleistet!"
- Pimf - Wo ist die Liebe