Mein antifaschistisches Herz freut sich ja sehr darüber, dass sich am Wochenende angeblich über 180.000 Demonstranten in ganz Deutschland versammelt haben, um gemeinsam für #BlackLivesMatter einzustehen. Mein von Virologen zugedröhntes Gehirn und meine Risikogruppen-Lunge finden riesige Menschenansammlungen mitten in einer Pandemie allerdings immer noch sehr beängstigend. Ein klassisches Dilemma. Es ist aber vermutlich auch ein Privileg, sich von Corona stärker bedroht zu fühlen als von Rassimus. Und vielleicht können wir das ganze ja auch als wissenschaftliches Experiment betrachten, dessen Ergebnisse wir dann in 2-3 Wochen erfahren.

Wie allein Trump da steht, wie gigantisch die Protestwelle gegen ihn ist und wie verrückt das alles ist, was da abgeht, kann man u.a. daran sehen, wie super divers und riesig auch der ganze Support abseits der unzähligen Demonstranten in den USA und etlichen Ländern ist. Und wer dachte, dass Marvel's Infinity War das größte Crossover-Battle aller Zeiten war: Neben Rappern, Karens, K-Pop-Accounts, Hackern, TikTokern, Amish People, Batman, Spiderman, Finn aus Star Wars und Elmo aus der Sesamstraße ziehen nun u.a. auch Schuhe, Legosteine und Eiscreme mit Keksstückchen gegen den Präsidenten in die "Schlacht".
Schon verdammt krass, dass es quasi den Druck der halben Weltbevölkerung braucht, um eigentlich standardmäßige Gerechtigkeit für ein schwarzes Mordopfer zu erlangen. Es ist nicht Schwarze gegen Weiße. Es ist alle gegen Rassismus - und ein ignorantes Arschloch mit viel zu viel Macht.

Auf den Straßen Amerikas herrscht laut Internet inzwischen hauptsächlich Revolutions- und Bürgerkriegsstimmung wie in den wildesten Hollywoodstreifen und es fällt schwer, in diesem völlig abgefuckten und heftig großen Chaos noch irgendwie durchzublicken.
Meine Analyse so bisher: Es ist ein gigantischer Clusterfuck aus größtenteils vielen friedlichen, aber medial jetzt total untergehenden Protesten, Rappern, die wie Martin Luther King klingen (oder eine Aktivistin wie Malcolm X), solidarischen und kreativen Aktionen, priviligierten Barrikaden, mitdemonstrierenden Cops (not ACAB), aber auch einer oft ganz und gar nicht deeskalierend handelnden und gegen so einige Konventionen verstoßende Polizei, Kriminalität und Brutalität auf allen Seiten, schwarzen als auch oft weißen Krawalltouris, abgefackelten Polizeistationen (eine davon in einem CNN-Gebäude) und brennenden Läden, etlichen Plünderungen von Humans of Late Capitalism (armer Louis Vitton), Randale anzettelnden Undercover-Cops, verzweilfelt aufräumenden Communitys, auf Polizeipferden galloppierenden Demonstranten, irgendwas mit angeblichen Kindersoldaten, jeder Menge Fake-News um Likes abzustauben und einem ständig Öl ins Feuer gießenden, zur Gewalt aufrufenden und rassistische Reden twitternden Präsidenten.
Oder anders: es ist eine vermutlich historische und in weiten Teilen sogar friedliche Bewegung in einem von riesigen Shitshows überhäuftem Anarchie-Porn - und das mitten in einer fucking Pandemie. Für mich ist es wie ein überdimensionaler Mix aus dem Welcome-to-Hell-Desaster beim damaligen G20 und der dystopischen Protest-Bewegung in Hong-Kong - nur, dass diesmal alle eine Waffen haben und der Joker währenddessen das Land regiert. Mit Corona statt Harley Quinn an seiner Seite.
Ich habe trotzalldem aber noch immer die Hoffnung, dass das Gute am Ende doch irgendwie siegt. Immerhin ist inzwischen sogar Batman aufgetaucht (das ist witzig, weil ja angeblich auch COVID-19 von einer Fledermaus stammt). 🤡

Gestern gab's sowohl von Linken als auch von Rechten ein paar eigentlich untersagte Demos, bei denen nahezu überall auf alle aktuellen Abstandsregeln geschissen wurde (der einzige Unterschied bezüglich Corona: Die Linken waren alle vermummt ;o). Den Distanz in den Mai sollten wir also dringend nochmal üben. Wie man es etwas besser macht, haben nicht nur FridaysForFuture mit ihrer globalen Online-Demo, sondern auch Protestanten in Tel Aviv bereits kürzlich Wochen bewiesen. Positiver Nebeneffekt beim Distancing: Jede Demo sieht so gleich viel größer aus.

Die Umweltsau wird weiter durchs Internet-Dorf getrieben und die Parodie eines WDR-Kinderliedes hat inzwischen sogar zu Tagesschau-Meldungen von rechten Protesten geführt. Und als wäre das nicht schon alles bescheuert genug, wird sich jetzt noch darüber beklagt, dass einige freie Mitarbeiter vom Sender bei den antifaschistischen Gegendemos dabei waren. Klingt komisch, ist aber so.
Ich dagegen finde diesen Einsatz für demokratische Grundwerte ja sehr löblich und stelle mich ganz hinter die Maus und den Elefanten, die für mich die stabilsten Instanzen beim WDR bleiben.

Manchmal liegen Satire und unironisch gemeinter Bullshit sehr nah beinander. Ich kann Plakate wie "Eure Armut kotzt uns an" oder "Friede den Palästen" jedenalls nicht ernst nehmen und verlinke euch einfach mal zum Künstlerkollektiv Peng, weil die da noch ganz andere tolle Sachen machen außer sich für viel zu teure Mieten einzusetzen. ;o)

Tausend Stimmen, ein Protest
Ein Traum, ein Ziel – Weltweit vernetzt
Die Faust geballt, bereit zu kämpfen
Résistance – wir fighten jetzt!

Rrrrah! Mal Élevé supportet weltweite Proteste mit internationalem Maschinengewehr-Flow und sehr viel Bass. Eine Hymne für globalen Widerstand gegen sämtliche Scheiße, die auf diesem Planeten passiert. Und endlich mal ein ordentlich nach vorne ballernder Soundtrack für die nächste Demo. Für mich ja der bessere Klimaprotestsong als sein eigentlicher Klimaprotestsong.


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Ein Beitrag geteilt von Sachsen ist mehr (@sachsenistmehr) am

Advent Advent, die Erde erwärmt sich um 3-5 Grad, wenn wir weiterhin aufs Pariser Klimaabkommen scheißen, als gäbe es kein Morgen. Bei der großen FFF-Demo am letzten Freitag schien jedenfalls schon klar zu sein, was sich über eine halbe Million Menschen dieses Jahr zumindest von der Politik zu Weihnachten wünschen. Inklusive für mich bekannten Gesichtern (Hi Aurel). All I want for Christmas is a vernünftiges Klimaschutzpaket.


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Ein Beitrag geteilt von Ökolöwe - Umweltbund Leipzig (@oekoloewe) am

650.000 Menschen haben beim vierten globalen Klimastreik am vergangenen Freitag für eine Zukunft protestiert. Allein in Deutschland. Und das Ende November bei teilweise fast 0 Grad und Regen. Das bekommen 99,9% aller Demos selbst im Sommer nicht hin (zusammen mit der letzten Demo im September waren es 2 Mio). Soll heißen: Wenn Proteste etwas bewirken können, dann stehen die Chancen für FridaysForFuture zumindest zahlentechnisch ganz gut.
Bisher hatte man allerdings ja leider nicht das Gefühl, dass sich klimatechnisch wirklich etwas getan hätte in der Politik. Und so lange wird dann wohl auch erstmal im Namen der Wissenschaft weitergestreikt. Zurecht. Inklusive inzwischen auch sehr viel älteren Teilnehmern aus allen gesellschaftlichen Gruppen. Und mit immer noch sehr kreativen neuen Plakat-Ideen nach so langer Zeit, wie ich finde. Ich hab mal ein bisschen gesammelt:

 

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Ein Beitrag geteilt von Lisa 🌿 (@liiisio) am

 

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Ein Beitrag geteilt von Katrin Fleischmann (@trine_line) am

 

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Noch könnt ihr euch aussuchen, ob ihr am Freitag auf die Schlager gegen Links Weihnachtsfeier der Jungen Union geht - oder dann doch lieber Deichkind (oder Seeed) beim nächsten großen Klimastreik von FridaysForFuture umsonst hören wollt. Ihr habt die Qual der Wahl. Konservative Kackscheiße mit Kackmusik - oder gute Musik für eine noch bessere Sache. Eine echt schwierige Entscheidung, wenn ihr mich fragt.



Be Water. Schwimm mit dem Strom. Einer der Slogans der selbsternannten Guardians of Hong Kong. Wie groß aber der aus etlichen Gesellschaftsschichten stammende Strom der Bewegung ist, der vielleicht nicht jede Straßenschlacht mitmacht, aber trotzdem felsenfest hinter den Protesten steht, zeigt sich u.a. auch am vielen Support von den unterschiedlichsten Künstlern. Und das sowohl aus der demonstrierenden Stadt selbst als auch aus dem "Feindeslager" China (u.a. Harcourt Romanticist, yuumei, HelloWong, daxiongartbadiucao).
Illustrationen, Grafiken und Zeichnungen aus der anhaltenden Regenschirm-Revolution, die auf künstlerische Art und Weise dokumentieren, was dort eigentlich abgeht. Mit Team-Spirit und Infos verbreitenden Plakaten, die wie aus einem gelb schimmernden Sci-Fi-Anime mit Superheldenpose wirken. Oder wie die Cyberpunk-Anime-Version der französischen Revolution. Mit sehr vielen Lasern, Pokémon (& Digimon), Memes, Anti-Tränengas-Woks und einem MechUmbrella-GundamWing. The Art of Future Protest.

Hope & Memory - HK mvmt's art & methods hark back to resistances & revolutions through history. It's a recognition that HKers' fight is part of sth bigger- that we're just the latest custodian of hope in the long struggle for freedom (Thread).

Inspired by all the amazing photos from the protests in Hong Kong. They are fighting for their freedom and democracy against China’s encroaching totalitarian rule.
As someone born in China and having seen all the horrendous abuse of power that happens without democracy, my heart is with the people of Hong Kong. I hope they will achieve their goals of freedom and inspire others to also fight for their rights to democracy (yuumeiart).









...weiterlesen "Hong Kong Protest Art | Revolution, Cyberpunk & Pokémon"

In Deutschland wird dank Extinction Rebellion ja gerade viel über Protestformen diskutiert und ob ziviler Ungehorsam das wirklich richtige ist, wenn "normale" Demos scheinbar nichts bewirken. In Hong Kong ist die radikale Movement-Version dagegen schon etwas weiter - und um Längen radikaler. Das muss man aber wohl auch, wenn man sich mit einem hochtechnologisierten Überwachungsstaat in einer Art digitalen Diktatur anlegt und inzwischen für grundlegende Dinge wie Freiheit und Demokratie kämpft.

Neben der von Bruce Lee inspirierten Taktik Be Water, in der Demonstranten mit dem Strom schwimmen und dadurch in der Masse untergehen, bedeutet das in erster Linie Equipment gegen Gesichter scannende Kameras (Regenschirm, Maske, Helm, Laserpointer), Schutz vor Tränengasgranaten (Gummihandschuhe, StickstoffSchlamm/Wasserbehälter zum neutralisieren oder eben Tennisschläger) und Vermeidung von Standorterkennungen (Bargeld, mit Alufolie umwickelte ID-Cards).
Ähnlich wie FridaysForFuture sind die Protestler aus Hong Kong sehr jung, was man u.a. daran erkennt, dass fast die Hälfte der inzwischen über 2000 festgenommen Demonstranten unter 18 sind, die wiederum alle mit Smartphones aufgewachsen sind und wissen, wie man Memes sogar im öffentlichen Raum benutzt. Zusammen mit digitalen Protestschildern, per Telegram & Air-Drop durchorganisierten Bewegungen in VPNs und jeder Menge Modern Art (u.a. gibt's eine 3D-gedruckte Freiheitsstatue) wirkt das alles dann wie aus einem dystopischen Sci-Fi-Film aus der Gegenwart. Und der sieht dann in etwa so aus - und hat sogar einen Soundtrack:


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Ein Problem davon lässt sich durch den technischen Fortschritt inzwischen mit 1-2 Klicks relativ easy lösen. Das andere bisher leider nicht. Dafür ist heute wieder einer dieser FridaysForFuture.

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