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Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis jemand dem im Netz (u.a. hier, hier und hier) inzwischen schon berĂŒhmtberĂŒchtigt gewordenen Wellerman-Song auch einen zeitgemĂ€ĂŸen Text verpasst. Nun hat die von Nathan Evans ausgelöste Seashanty-Welle also auch eine 2021-Version mit entsprechenden Pandemie-Lyrics. Und ich hoffe wĂ€hrenddessen weiter, dass der Impfstoff fĂŒr Corona irgendwann das ist, was der Eisberg fĂŒr die Titanic war. Let's roll out that Vaccine.


Und wenn ihr Impfungen nicht so mögt, probiert's doch mit der jeweiligen Krankheit. Zum Beispiel mit Corona. Der Tod wĂŒrde das sicher sehr begrĂŒĂŸen, wenn man mal ausrechnet, dass die Wahrscheinlichkeit durch den Impfstoff dagegen zu sterben aktuell mindestens 50.000 mal kleiner ist.


Über zwei Millionen Menschen sind mittlerweile an oder mit durch Corona gestorben. Das ist eine so furchtbar hohe Zahl, dass man sie sich eigentlich gar nicht vorstellen mag oder kann. Umgerechnet sind das jedenfalls ĂŒber 6500 FlugzeugabstĂŒrze in 9 Monaten (und mehr als 20 pro Tag). Über das Schicksal der Verstorbenen bzw. der leidenden Angehörigen wird dafĂŒr allerdings verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenig berichtet.
Eine Krankenschwester und Poetry-Slammerin aus Dillenburg hat einigen von ihnen nun ein Gedicht gewidmet. Und eigentlich wÀre mir das unter "normalen" UmstÀnden ein wenig zu kitschig, es trifft aber in diesen Zeiten genau den Weltschmerz, der mir in der ganzen Pandemie-Debatte bisher zu oft gefehlt hat.

Bald ist es ein Jahr her, dass Corona unser Wohnheim Niederscheld in eine Art Schockzustand versetzt hat. Zehn Menschen mit Behinderungen und 16 Lebenshilfe-Mitarbeiter wurden damals positiv auf Covid-19 getestet. Drei der Bewohner verstarben im April.
Livia Warch ist Krankenschwester und Mitarbeiterin der Lebenshilfe Dillenburg. Sie hat in dieser belastenden Zeit im Wohnheim ausgeholfen. Was sie dort erlebt hat, hat sie nicht losgelassen. Daher hat sie das Erlebte in einem Gedicht verarbeitet. Ein Gedicht fĂŒr einen unserer verstorbenen Bewohner. Ein Gedicht, das uns alle angeht.
Denn das Virus ist noch da und eine stĂ€ndige lebensbedrohende Gefahr – vor allem fĂŒr die von uns betreuten Menschen, die zur Hochrisikogruppe gehören. Wir können alle etwas tun. Danke an alle Menschen, die in dieser Zeit fĂŒr andere da sind!


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So eine Pandemie wirft ja ganz schön viele Fragen auf, von denen wir manche trotz intensiver und weltweiter Forschung selbst nach nun einem Dreivierteljahr noch nicht mal beantworten können. FĂŒr mich bleibt es beispielsweise ein ewiges RĂ€tsel, warum wir bei inzwischen sehr viel höheren Infektionszahlen seit November nicht lĂ€ngst den selben harten oder theoretisch hĂ€rteren Lockdown machen, den wir im letzten MĂ€rz bereits - wohlgemerkt erfolgreich - gemacht haben. Denn ich verstehe einfach nicht, wieso man etwas, das offensichtlich sehr gut als Lösung funktinoniert hat, beim selben Problem ein paar Monate spĂ€ter völlig anders bzw. gefĂŒhlt nur noch die HĂ€lfte macht. FĂŒr mich wirkt das jedenfalls so, als hĂ€tten wir nach dem ersten Lockdown nicht nur nichts dazu gelernt, sondern hĂ€tten zusĂ€tzlich noch das Gelernte vergessen.
Damals war ich noch enorm erleichtert und froh ĂŒber das konsequente Handeln unserer Regierung, von der ich das GefĂŒhl hatte, menschlich und vernĂŒnftig zu sein, als die Bundeskanzlerin in einer Fernsehansprache an alle die Gesundheit ihres Volkes klar ĂŒber Wirtschaftsinteressen stellte. Das ist heute leider nicht mehr so. Im Gegenteil.
Denn inzwischen ist der Wirtschaft scheinbar alles untergeordnet und wir haben Maßnahmen, die so tun, als wĂ€re Corona ein Kapitalist, der nur nicht-arbeitende Menschen befĂ€llt und deshalb "nur" alles verbietet, was Spaß macht (dahinter stecken unspaßigerweise immerhin auch ernstzunehmende BedĂŒrfnisse). Und man kommt sich dabei ein bisschen vor wie in einem endgĂŒltig dystopisch gewordenen System, in dem Kultur ausgerottet wurde und Menschen lediglich nĂŒtzliche ZahnrĂ€der sind, dessen einziger Lebenserhaltungszweck die Schufterei ist. Das ist fast noch entmutigender als die Tatsache, dass es mittlerweile egal zu sein scheint, wenn wie heute wieder mehr als 1000 Menschen am Tag sterben.
Dabei waren es doch damals angeblich die 200 Toten am Tag in Italien, die uns mittels der berĂŒhmten Bilder von Leichentransportern aus Bergamo alle ĂŒberzeugt haben, die Curve zu flatten. Und ganz abgesehen davon, dass das Wichtigste eigentlich immer sein sollte, so wenig Menschen wie möglich sterben zu lassen, haben wir doch sogar gelernt, dass es selbst wirtschaftlich besser ist, wenn wir mit einem harten Cut die Infektionszahlen so runterschrauben und sich so alle wohler fĂŒhlen (das haben schließlich sogar Wirtschaftsexperten durchgerechnet und geprĂ€digt).
Im Pandemieplan von 2012 habe ich mal gelesen, dass das Allerwichtigste die Mitwirkung und Mitnahme der Bevölkerung und deshalb auch die Transparenz bzw. das ErklĂ€ren der Maßnahmen sei, weil man sowieso nicht alles kontrollieren kann. Aber wie soll ich mich mitgenommen fĂŒhlen, wenn bspw. wie jetzt Fußballprofis, GroßraumbĂŒros, Autohersteller und sĂ€mtliche andere Unternehmen, die in einer Pandemie eigentlich völlig irrelevant sind quasi gar keine EinschrĂ€nkungen haben, wĂ€hrend ich seit fast einem Jahr alleine zuhause depressiv werde, weil ich gar nichts mehr machen darf. Klar, ich bin in der Risikogruppe und schrĂ€nke mich wie viele sowieso schon aus Selbstschutz ein. Und der Großteil ist zum GlĂŒck auch vernĂŒnftig (danke 🙏). Aber unter den jetzigen Bedingungen verliert man mbMn sogar eher Leute, als dass man sie gewinnt. Denn sie sind weder (viro)logisch konsequent noch menschlich nachvollziehbar.
Und ja, mir ist bewusst, dass uns im MĂ€rz letzten Jahres auch der kommende FrĂŒhling in die Karten gespielt hat. Genau deshalb ist es fĂŒr mich aber auch noch unlogischer, dass wir uns im November ĂŒberhaupt so etwas wie einen "Lockdown Light" haben einfallen lassen und trotz eines mittlerweile mutierten Virus ĂŒber den Winter weniger harte Maßnahmen eingefĂŒhrt haben als zu Beginn der Pandemie, wo die Situation vergleichsweise harmlos war. Dementsprechend mies und bedrĂŒckend sehen dann jetzt eben aber auch die Zahlen aus.
Und es ist ja nicht so, als hĂ€tte die Wissenschaft nicht exakt das schon Monate vorher prophezeit. Sogar die letzte Warnung der Leopoldina, in der die Wissenschaft als Kollektiv eine europĂ€ische Lösung bzw. gleichzeitigen Shutdown dringend empfohlen hat, wurde nicht wirklich groß beachtet. Stattdessen haben wir uns das ganze letzte Jahr lieber von viel zu vielen und offensichtlich beratungsresistenten MinisterprĂ€sidenten reinquatschen lassen, die sich eigentlich alle dafĂŒr entschuldigen mĂŒssten, dass sie so dumm waren.
Ob #ZeroCovid bzw. die dazugehörige Petition nun die ultimative Lösung fĂŒr alles ist, weiß ich nicht. Mir erscheint ein Plan, der in einer Pandemie das Ziel hat, das Virus auszurotten und bspw. Neuseeland seit Monaten komplett coronafrei hat werden lassen aber durchaus sinnvoller als alles, was Friedrich Merz jemals von sich gegeben hat.


Endlich mal steigende Zahlen, die keine Todeslisten sind und einen hoch- statt runterziehen: Die Impf-Uhr vom offiziellen Impf-Dashboard der Bundesregierung, die ich heute nebenbei einige Stunden im Hintergrund habe laufen lassen, um meine Hoffnung auf ein Ende der Pandemie mit jeder Sekunde um ein kleines Spritzchen wachsen zu lassen (zumindest wenn man danach nicht den Fehler macht, hier nachzulesen, wie lange die ganze Schoße in dem jetzigen Tempo denn noch dauert).

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Ganz egal, welche noch so tollen Dinge bei euch unterm Tannenbaum lagen - das mit Abstand beste Weihnachtsgeschenk an die Menschheit kam dieses Jahr nicht vom Weihnachtsmann, sondern von der Wissenschaft. DafĂŒr bedankt sich Santa nun in einer 2020 verprĂŒgelnden Choreographie ausgelassen und erleichtert abtanzend fĂŒr den heißbegehrten Impfstoff gegen das fucking Corona-Virus. Thanks, Science. You're the Best.

»Learn from Yesterday, Live for Today, Hope for Tomorrow.«

via impfstoffmiterdbeergeschmackvertreib

In Halberstadt im Harz ist eine 101-JÀhrige als allererste in Deutschland gegen das Coron geimpft worden und wer hÀtte vor einem Jahr schon gedacht, dass das Weihnachten 2020 mal die(!) Meldung wird, die uns das bisschen Hoffnung gibt, das wir in diesen Zeiten ganz dringend brauchen. Alles Gute, Edith. Auf die nÀchsten 100 Jahre. ;o)

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2020 war definitiv kein gutes Jahr fĂŒr Hollywood-Blockbuster, weil die Massen im Kino leider ausbleiben mussten. Anders sieht es allerdings bei bei Kurzfilmen aus, von denen es dieses Jahr sogar gefĂŒhlt mehr gab, weil sie selbst in der isolierten QuarantĂ€ne allein zuhaus noch gedreht werden konnten. Bei filmshortage wĂŒrdigt man diese "Kurzfilm-Epidemie" mit einer kleinen Sammlung aus Low-Budget-Lockdown-Movies. Die mbMn besten davon habe ich euch wiederum mal an dieser Stelle zusammengesammelt.
Mein klarer Favorit ist allerdings "Get It Together", nachdem ich wieder mal sehr froh und beruhigt war, dass ich offenbar keinen einzigen (Cov)Idioten in meinem Umfeld habe und alle meine Freunde das Gegenteil von rĂŒcksichtslosen Arschlöchern sind (ein Hoch auf euch, Leute). Wahrscheinlich habt ihr im Lockdown aber auch genug Zeit, um euch mehr als einen Kurzfilm anzusehen - there you go:

Filmmakers have the gift of being creatives, and it’s in the hardest of times that their minds work the hardest. Quarantine is just another challenge, just like a limited budget, an unexpected rainy day or a shooting location that’s suddenly not available. A true creative will find solutions and work with what’s given to them. And the hope comes from the resurgence of film submissions we’ve received that have been made in isolation. That means cameras are still rolling, and while the big budgets and production equipment may have to be put aside, we focus on creativity. (MadeInIsolation)



2020 ist offenbar nicht auf ein versöhnliches Jahresende aus und schenkt uns zu Weihnachten anscheinend eine Virus-Mutation. Oder vielleicht sogar zwei. Denn in Großbritannien hat man wohl herausgefunden, das eine neue inzwischen anscheinend schon verbreitete Form des Virus 70% ansteckender sein soll als vorher. Eine Ă€hnliche Meldung gibt es zeitgleich auch aus SĂŒdafrika, da fĂŒhrt die Mutation aber angeblich auch noch zu schwereren VerlĂ€ufen bei JĂŒngeren.
Und so langsam fĂ€llt es mir ja ganz schön schwer, noch gutmĂŒtig daran zu glauben, dass 2021 besser wird. Aber - um nochmal an die guten Nachrichten zu erinnern: wir haben glĂŒcklicherweise schon einen Impfstoff. Er muss jetzt eben nur noch so schnell wie fĂŒr deutsche Behörden möglich millionenfach verabreicht werden (seufz).
Und um das bisher ziemlich dĂŒster aussehende ersten Monate des neuen Jahres noch zu retten, hoffe ich ja, dass die Wissenschaft uns bis dahin noch im letzten Moment den Arsch rettet, indem wir auf sie hören. Zum Beispiel auf das frisch erschienene Pan-European Position Paper, in dem Wissenschaftler aus ganz Europa eine gemeinsame Strategie erarbeitet haben (u.a. unterzeichnet vom MaxPlanck-Institut, dem RKI, der Leopoldina, aber auch Drosten und Ciesek). Ich fĂŒhle mich derweil wie beim WettrĂŒsten zwischen Virus und Menschheit. Mit anschließendem Endboss-Fight, in dem wir Corona hoffentlich langsam aber sicher kaputtimpfen.

Ehrlich gesagt habe ich inzwischen aufgegeben, alle Corona-Rules zu durchblicken und bin grundsĂ€tzlich, wenn ich denn ĂŒberhaupt mal meine Wohnung verlasse, nur noch mit Maske auf unterwegs. Auch die offenbar sehr deutschen Regeln fĂŒr Pandemie-Weihnachten sehen eher aus wie ein viel zu kompliziertes Brettspiel, das ich dann wohl eher so spiele, wie ich es einfach fĂŒr richtig halte und das mit der berĂŒhmtberĂŒchtigten Vernunft und Eigenverantwortung regel. Und auch wenn es viele nicht glauben mögen, muss man ja tatsĂ€chlich gar nicht alles machen, was erlaubt ist.
Apropos Vernunft und Eigenverantwortung. Meine ĂŒber 80-jĂ€hrigen Großeltern haben von alleine eine Mail geschrieben (ja, das können sie), dass sie die Entscheidung mir ĂŒberlassen, dieses Jahr aber auch auf Besuche verzichten könnten, weil Gesundheit an oberster Stelle steht. Vielleicht lasst ihr euch weihnachtliche Überlebenstipps also eher von meinen Großeltern geben als von Helga & Marianne. Die machen's zumindest weniger kompliziert.