„Ich hab‘ in vielen Sachen keine Ahnung. Ich bin selber oft genug ein Vollidiot und weiß in diesen verrückten Zeiten immer öfter selber nicht, was richtig und was falsch ist. Aber eins weiß ich noch: Ersaufen lassen ist nicht richtig. Leute in solchen Lagern leben lassen, ist nicht richtig.“

Lange nicht mehr so wahre und aufrichtige Worte auf Facebook gehört: Monchi hat der Mission Lifeline seine Stimme geliehen, um - während wir uns auf das angeblich "härteste Weihnachten seit der Nachkriegszeit" vorbereiten - auf diejenigen aufmerksam zu machen, die in einer Pandemie nicht darüm fürchten, ein paar Festtage vielleicht nicht wie gewohnt feiern zu können, sondern bis dahin zu überleben.

https://leavenoonebehind2020.org/

via

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Falls ihr euch gefragt habt, was der weltweit bekannteste Streetartist eigentlich mit dem ganzen Geld macht, das ihm die High Society für seine Kunstwerke in die Hand drückt: nun, gerade hat er, um Flüchtlinge im Mittelmeer nicht tatenlos ertrinken zu lassen, ein komplettes Schiff an die Crew der SeaWatch gespendet. In pink. Und mit Rettungsherz. 💜

The artist has financed a rescue operation to bring refugees from North Africa safely to Europe aboard the Louise Michel. The boat is crewed by activists who have worked in search-and-rescue missions with Sea-Watch, a German NGO that patrols the Mediterranean to rescue migrants.

The artist approached Sea-Watch captain Pia Klemp last September in the hopes of aiding their efforts.

“I’ve read about your story in the papers. You sound like a badass,” Banksy wrote to Klemp, according to the Guardian. “I am an artist from the UK and I’ve made some work about the migrant crisis, obviously I can’t keep the money. Could you use it to buy a new boat or something? Please let me know.” (artnet)

"Die Aktivisten der "Alan Kurdi" haben 150 Menschen auf dem Mittelmeer gerettet - trotz Coronakrise.
DEUTSCHE BEHÖRDEN SIND ENTSETZT, Malta und Italien verurteilen die Aktion. Und keiner lässt die Flüchtlinge an Land."
(spiegel)

Oh welch ein Zufall, das bin ich nämlich auch. Entsetzt. Davon, dass jemand entsetzt darüber sein kann, wenn Menschen das Leben gerettet wird. Davon, dass wir die "Oder soll man es lassen?"-Zeiten anscheinend immer noch nicht hinter uns gelassen haben. Davon, dass man offenbar überrascht davon ist, dass es nicht alle einfach hinnehmen, wenn Menschen jämmerlich verrecken, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Davon, dass uns wichtiger ist, in einer Pandemie unbedingt möglichst billigen Spargel mit cremiger Hollandais-Sauce wegschlemmen zu können als Menschenrechte für alle zu bewahren. #LeaveNoOneBehind.

Ich mag seine Musik. Sehr. Und nach dieser Aktion mag ich Tua sogar noch ein bisschen mehr. Denn es gibt nun mal weitaus wichtigere Dinge als einfach nur Musik rauszuhauen. This is real HipHop. Viel Liebe für dieses Statement. 🖤

Hi Freunde,
mein Lied „Wenn ich gehen muss" hatte für mich immer einen besonderen Wert. Der Text kam mir nur wenige Minuten nach dem Tod meines Vaters und trotzdem geht es darin nicht um Trauer, sondern um Trost, um eine Perspektive. Das Lied geht nicht um mich, sondern ich möchte es in den Dienst derer stellen, die es brauchen. Als neulich Leute von sea-eye und der Agentur Jung von Matt an uns herantraten und meinten, sie hätten ein dringendes Anliegen, kamen mir genau diese Gedanken wieder hoch und ich war sofort dabei.
Sea-Eye (mit ihrem Schiff "Alan Kurdi", vom Vater des namensgebenden, ertrunkenen kleinen Jungen so getauft) ist eine der wenigen NGO's, die im Mittelmeer Seenotrettung betreiben. Das heißt, das sind ein paar der wenigen Menschen, die das überhaupt tun. Auf der anderen Seite sind 2019 noch immer an die 1000 Menschen direkt vor unseren Grenzen ertrunken, vor den Augen aller, muss man eigentlich sagen. Genau darum geht es bei unserem Musikvideo: Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass das Thema unter keinen Umständen erledigt ist oder von selbst läuft. Es sind Spenden wie deine, die es möglich machen, dass die "Alan Kurdi“ in See stechen und Menschenleben retten kann. Es sind Leute wie du und ich, die sich dort gerade machen und Aufgaben übernehmen, die eigentlich Staatssache wären. Einige dieser Leute durfte ich kennenlernen und ich möchte euch ein paar davon hier in den kommenden Tagen vorstellen, als Steckbriefe und auch in einem kleinen Video.
Ich würde mich freuen, wenn ihr dem Thema wieder etwas mehr eurer Aufmerksamkeit entgegenbringt. Liked die Seite der Sea-Eye, sie dokumentieren ihre Arbeit. Und bitte spendet.
Wir spenden selbstverständlich alle Einnahmen, die ab jetzt über Streaming oder Download von „Wenn ich gehen muss“ rein kommen. Auf meiner .WAV-Tour wird es eine Spendenkasse für die Sea-Eye geben und Chimperator wird den Gewinn ihres 20-Jahre-Jubiläumsevents auch komplett spenden.

https://sea-eye.org/tua/

"Wenn uns nicht die Gerichte freisprechen, dann die Geschichtsbücher."

- Carola Rackete, 31, Kapitänin der "Sea-Watch 3"

Starker Satz von einer starken Frau, die für ihre Zivilcourage eigentlich Hochachtung, Respekt und Anerkennung statt drohender Strafe verdient hätte, wenn die EU nicht so ein moralisch völlig verkorkster und humanistisch hässlicher Laden wär.
Nur eine Woche nach dem #Weltflüchtlingstag scheißt der Friedensnobelträger EU wieder mal auf das Leben von Flüchtlingen, das zum Glück aber nicht allen egal ist. Wer der #Sea-Watch dabei helfen will, wenigstens ein klein bisschen Menschlichkeit in Europa zu bewahren, kann seinen zumindest finanziellen Teil dazu beitragen, den das wichtige Hilfsprojekt sicher gut gebrauchen kann: sea-watchorg (aktuell auf 'nem Ersatzsserver, da aus hoffentlich guten Gründen überlastet). Das Bußgeld auf Ertrinkende retten liegt in der EU derzeit anscheinend bei bis zu 50.000€ + eine eventuelle Beschlagnahmung des Schiffes. Aktuell sterben auf der Flucht übers Mittelmeer durchschnittlich 6 Menschen pro Tag. Sea-Watch war seit 2015 an der Rettung von mehr als 37.000 Personen beteiligt.

European institutions have once again proven their incapability of handling the responsibility to safeguard the rights of people rescued at their deadly sea border. Neither any of the European States nor the EU commission were willing to enforce what is the basis of their constitutions - human dignity.
With yesterday’s political ruling furthermore the European Court of Human Rights (ECHR) failed to provide any expedient for the 42 survivors stuck aboard the rescue ship Sea-Watch 3. Their situation is now more desperate than ever. As a result, today at noon, the captain was forced to enter Italian territorial waters under emergency law. (seawatch)


Die Partei die Partei wollte im ZDF ihren zweiten offiziellen Wahlwerbespot laufen lassen, der eigentlich kein Wahlwerbespot ist, sondern ein Support-Aufruf für die wichtige Arbeit von Sea-Watch (#HoldYourBreath). Nach den Regularien muss aber für irgendeine Partei geworben werden, worauf das Original aber verzichtete, weil es ertrinkende Menschen wichtiger fand. Tja. Die gesetzlichen Vorgaben sehen das anders. Der Spot war sozusagen nicht "politisch" genug, musste geändert werden und am Ende taucht nun ordnungsgemäß ein Partei-Logo auf.
Das "verbotene" Original gibt es nur auf Facebook - die "korrigierte YouTube-Version lief dann aber letztendlich gestern Abend im Fernsehen. Und das Resultat: offenbar ist eine Satire-Partei momentan die einzige Partei, die die wirklich ernsten Themen wirklich ernst angeht.

Das Mittelmeer ist die mörderischste Grenze der Welt. Eine von zehn Personen stirbt bei dem Versuch, Tod und Elend in Libyen über das Wasser zu entkommen. Statt Leben zu retten, verhindert die EU aktiv zivile Seenotrettung, kriminalisiert freiwillige Helfer*innen und bezahlt Milizen, um Flüchtende in das Land zurück zu verschleppen, dem sie zu entkommen suchten.

Mit #HoldYourBreath wollen wir die Öffentlichkeit zur Europawahl wachrütteln und auf die tödliche Politik der EU aufmerksam machen. DIE PARTEI war so großzügig, uns hierfür einen ihrer Wahlwerbespots zur Verfügung zu stellen.

Denn in wenigen Wochen wählt Europa die Personen, die darüber entscheiden, ob das Mittelmeer sich weiterhin mit Leichen füllen soll. Sie tragen Verantwortung für den Tod von Menschen, denn es gibt Alternativen: Seenotrettung, sichere Häfen und legale Fluchtwege. Ein solidarisches Europa ist machbar und hunderttausende Europäer*innen fordern es bereits ein. Setze auch du ein Zeichen gegen politisches Sterbenlassen. Hilf uns, die nächste Mission der Sea-Watch 3 zu finanzieren.

http:/holdyourbreath.eu

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Da es aktuell wichtigere Dinge gibt als das WM-Aus der Deutschen und ich gerne hätte, dass den Brief der Seenotrettungscrew der Lifeline so viele wie möglich lesen, gebe ich euch neben einem Link gleich noch den ganzen Text dazu. Now it's your turn, Horst.

Betreff: Wir retten Leben, wen retten Sie?

Sehr geehrter Herr Minister Seehofer,

der Presse entnehmen wir, dass Sie sich dafür einsetzen, dass das Schiff unserer Seenotrettungs-NGO beschlagnahmt werden soll und gegen die Crew strafrechtlich ermittelt wird. Wir entnehmen der Presse, dass Sie von "Shuttle"-Service sprechen. Unabhängig davon, dass wir darauf hinweisen wollen, dass wir Menschen im tödlichsten Seenotrettungsgebiet der Welt aus Lebensgefahr retten und dafür angeklagt werden, haben wir einige Anmerkungen und Fragen:

Es fühlt sich beschämend an, dass die Bundesregierung durch die Behinderung der Seenotrettung dazu beiträgt, dass mehr Menschen im Mittelmeer sterben. Haben Sie Studien, eine Statistik oder ein Bauchgefühl, mit dem Sie diese Toten rechtfertigen können?
Stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn Menschen gefoltert und versklavt und vergewaltigt werden - ganz bildlich in Libyen. Stellen Sie sich vor, wie diese Menschen in ihrer Verzweiflung alles tun, um Libyen entkommen zu können. Stellen Sie sich vor, dass der einzige Weg ein Schlauchboot ist und dass man für diesen lebensgefährlichen Weg dann noch viel Geld bei kriminellen und gewalttätigen Schlepperbanden bezahlen muss.

Stellen Sie sich vor, dass dort Männer, Frauen und Kinder - die nie schwimmen gelernt haben - auf überfüllten Booten ins Wasser fallen - ohne Schwimmweste. Stellen Sie sich den Kampf gegen das Wasser vor, das langsam aber sicher ihre Lungen füllt, bis sie ertrinken. Stellen Sie sich vor, dass Sie fordern, dass diesen Menschen nicht geholfen wird.

Und wenn Sie bereit sind, sich das vorzustellen und nun sagen: “Aber ohne die Nichtregierungsorganisationen gäbe es das ja nicht”, dann müssen wir Ihnen sagen: Sie liegen falsch. Nicht weil wir eine andere Meinung haben, sondern weil die meisten Menschen in den letzten Jahren gar nicht von NGOs gerettet wurden und weil wir wissen, dass die Menschen auch höhere Risiken eingehen. Wir haben uns als NGOs gegründet, nachdem tausende ertrunken sind - nicht davor. Wir stimmen unsere Einsätze mit der Seenotrettungsleitstelle ab und folgen den Anweisungen und wir sind schockiert über die Vorwürfe, die uns auch von Ihnen gemacht werden. Sie können den Schmerz nicht fühlen, wenn Menschen sterben, denen man helfen könnte. Und Sie können unsere Wut nicht nachempfinden, die wir angesichts einiger öffentlicher Äußerungen der letzten Tage empfinden. Sie reden von Shuttle nach Europa, wo Menschen aus Seenot gerettet werden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn ihre Familienangehörigen in Gefahr wären oder sterben? Wäre es nicht eine Schande?

Wir laden Sie ein. Wir laden Sie ein an einer der Seenotrettungsmissionen teilzunehmen und sich die Situation vor Ort anzuschauen, die Sie nicht kennen. Wir laden Sie ein, sich anzuschauen, wie verzweifelt die Menschen sind, die wir retten und wie sich die Leere anfühlt, wenn Menschen sterben, weil niemand mehr helfen kann. Kommen Sie mit, Sie sind willkommen. Wir sagen Ihnen offen: Wir erwarten, dass Sie mitkommen. Wir erwarten, dass Sie sich der Realität annehmen. Und wir erwarten Antworten.

Sie sagen, wir sollen zur Rechenschaft gezogen werden, doch wir erwarten, dass auch Sie endlich Rechenschaft ablegen. Wir stehen Rede und Antwort, gerne auch vor Gericht. Aber welcher Straftatbestand soll uns vorgeworfen werden? Ist es Ihrer Meinung nach ein Verbrechen, Menschen aus Lebensgefahr zu retten? Ist es ein Verbrechen, das Völkerrecht zu achten? Sollten wir die Menschen nach Libyen bringen und damit eine Straftat begehen?

Achten Sie die Menschen mehr, die gegen uns hetzen, als diejenigen, die vor Ort Menschenleben in Not helfen? Wir retten Menschen. Wen retten Sie? Beten Sie? Wissen Sie, dass in diesem Jahr noch einmal 50.000 Menschen über das Wasser nach Europa geflohen sind? Wissen Sie, dass es nur 17.000 nach Italien waren? Wissen Sie, dass das eine Person pro 10.000 EuropäerInnen ist? Wissen Sie, wie es klingt, wenn Sie über diese Menschen reden - wenn Sie von Wellen, Fluten und Lawinen sprechen? Wissen Sie, dass Sie dazu beitragen, die Realität zu verdecken? Wir dürfen Menschen nicht nach Libyen bringen, auch wenn Sie uns dafür anklagen wollen.

Sie dürften Menschen nicht nach Libyen bringen. Deswegen unterstützen Sie die libysche Küstenwache, die nicht an das Recht gebunden ist, auf das Sie einen Eid geschworen haben. Wollen Sie, dass andere dieses Recht brechen? Unterstützen Sie das? Aber wir sind an dieses Recht gebunden und wir haben keine Scheu dafür auch gegen Widerstände einzutreten. Wir haben keine Regierungskrise verursacht. Wir haben keine Interessen, außer dass Menschenrechte und Menschenwürde nicht im Fleischwolf des Rechtspopulismus zu Grunde gehen.

Wir wollen Leben retten. Was ist Ihr Interesse? Wen retten Sie? Kommen Sie zu uns und reden Sie mit uns. Beantworten Sie bitte die Fragen. Einzeln und präzise. Kommen Sie her. Sie sind willkommen.