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Zwischen dem 1688ten Film und dem dritten Rewatch aller Lieblingsserien braucht man manchmal ja etwas Ablenkung aus der sogenannten Realiät. Und nein, damit ist kein Reality-TV gemeint (und wie sich irgendein prominenter Niemand einen pürierten Känguru-Hoden reinwürgt während er sich von seinem Rassismus-Skandal aus irgendeiner anderen Reality-Bums-Show distanziert). Und ich spreche auch nicht von ach so authentischen Influencern, die jedes scheiß Produkt selbstverständlich auch privat täglich zweihundert mal nutzen und dessen Authentizitätsgrad meist exponentiell zur Erwähnung der eigenen Authentizität sinkt.
Ich meine das gute alte Doku-Format. Und damit gehen wir rein, bzw. eigentlich gehen wir sogar raus, denn wir springen wortwörtlich auf den Zug auf und gehen auf Reisen wie bei The Race (ihr wisst schon, diese Show, in der alle von A nach B um die Wette trampen und jeden Menschen um Kohle anbetteln, den sie sehen). Denn wir traveln ohne Geld.
Allerdings wird bei unserem Trip das leidige Geschnorre weggelassen und es gibt dafür einen anderen doch verdammt großen Haken an der Sache: wir reisen illegal. Sehr illegal. Und gefährlich. Sogar lebensgefährlich. Per Trainhopping. Und das macht es dann doch etwas unnattraktiv und für mein sehr gerne mit einem Cocktail in der Sonne chillendes Urlaubs-Empfinden ja ein Tick zu unentspannt zum nachmachen. For real, tut das nicht.
Entspannt und auch gespannt anschauen lässt es sich trotz strafrelevantem Eingriff in den Bahnverkehr aber dennoch und so gucke ich mir seit einiger Zeit ja immer wieder mal selfmade Trainhopping-Dokus auf YouTube an. YouTube selbst sieht die allerdings gar nicht gerne und löscht die Videos regelmäßig, weshalb es inzwischen sogar welche gibt, in denen vorher ein Disclaimer erscheint, dass alles KI-generiert sei. Clever.
Ein verboten schönes Hobo-Tour-Exemplar aus meiner Trainhopper-Liste, weil inzwischen fast schon kinoreif gefilm, gibt es inzwischen auch aus good ol' Germany. Und ich erspare mir und euch an dieser Stelle einfach mal alle Deutsche-Bahn-Jokes über den tollen Reise-Komfort und das ungenießbare Leben in vollen Zügen. Die bleiben hier auf der Strecke, zwinker zwinker.

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Eines der in Rente gegangenen Berlin Kidz hat sich als Künstler selbstständig gemacht und u.a. bei arte tracks einen eigenen Graffiti-Film angekündigt. Und jener Film, in dem Mr. Paradox sich quer durch die Hauptstadt surft und sprayt, ist inzwischen auf YouTube. Die selfmade Doku trägt den Namen Spiritual Letters und bietet neben der Eroberung eines Windrads auch eine City-Tour auf dem Dach eines Busses.

The film is a story about the deep connection of the life and art of the artist. It takes you on a journey through Berlin like you have never seen before. Take a deep dive behind the scenes of the famous red and blue graffiti letterings called paraglyphs that cover the heart of the city and tune into the connection between art, letters and spirituality.
In this 70 minute self-proclaimed masterpiece, you have the chance to experience one of a kind stunts across the city's architecture, surfing on trains (on the well known Berliner U-Bahn) and drone shots full of adrenaline.


...weiterlesen "Spiritual Letters | The Art of Mr.Paradox Paradise"

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Einer meiner derzeitigen Lieblings-YouTube-Channels ist der vom naturliebenden UrbaneXplorer (und Musiker) Shiey, der offenbar immer das gewisse Risiko braucht, um sich sicher zu fühlen. So spaziert er z.B. auch mal auf dem Riesenrad in Tschernobyl rum, chillt auf(!) fahrenden Bussen oder reist als blinder Passagier per Güterzug quer durch die EU. Und obwohl so ziemlich alles davon illegal ist, dokumentiert er jeden seiner Schritte sehr ausführlich auf seinem Channel mit dem passenden Motto "Illegal Freedom".
Besonders gecatcht haben mich die Trainhopping-Dokus gegen die selbst die schrecklichsten Fahrten mit der deutschen Bahn noch wie Luxusreisen im 5-Sterne-Hotel wirken und sich anfühlen wie ein Mix aus spannendem Adrenalin-Abenteuer und entspannten Reise-Vlogs. Auf den Gleisen ist Shiey oft mit seinem YouTube-Hob(r)o GifGas unterwegs, der anscheinend auch auf den Zug aufgesprungen ist und dasselbe Hobby teilt.
Und auch wenn ich persönlich dann doch gern etwas mehr Comfort genieße, finde ich es irgendwie schön, dass es Menschen gibt, die freiwillig teilweise tagelang auf irgendeinem kleinen Bahnhof übernachten, nur um dann glücklich in einem Wagon voller Kohle zu steigen und unterwegs billigen Fertigfraß aus der mitgebrachten Lidl-Tüte zu snacken. Selten ein so abgehärtetes Fuck You an die erste Klasse gesesehen.

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...weiterlesen "Reise-Dokus: Trainhopping – als blinder Passagier auf Güterzügen"

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Der YouTuber und Trainsurfer Shiey reist am liebsten illegal und trägt seine Maske schon, bevor es cool war. Im jetzigen Corona-Sommer hat er während eines Euro-Trips nicht nur ein weiteres Musikvideo, sondern auch eine kleine Doku über seinen nicht besonders komfortablen Ausflug gedreht.
In der schmuggelt er u.a. sich und seine zwei scheinbar genauso verrückten Kollegen unter einem Güterzug über mehrere EU-Grenzen (bspw. von Deutschland nach Italien). Und ja, das ist natürlich alles wahnsinnig gefährlich und in jeglicher Hinsicht verboten, aber fehlendes Social Distancing kann man diesen offensichtlich lebensmüden Typen auf jeden Fall nicht vorwerfen.

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Scheinbar kriegen auch die Adrenalin-Junkies aus Berlin nie genug: Neues (und altes) von den sich eigentlich schon aufgelösten Berlin Kidz, die auf dem YouTube-Kanal vom nun Solo-Künstler Paradox weiterleben. Jetzt auch als fast hollywoodreife Inszenierung per ebenso krass fliegender Drohne, die die völlig lebensmüde Graffiti-Surfer-Gang aus der Haupstadt verfilmt. Als Trailer für ein Urban-Artbook bzw. die dazugehörige Release-Galerie vom Crew-Fotografen der durchgeknallten Bande aka Cpt.Olf.

Over a period of 4 years, Cpt_Olf followed at close range Berlin's most secretive pixação writer and urban climber, Paradox, taking exceptional photographs from impossible vantage points.


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In Russland ist Trainsurfing à la Berlin Kidz ja längst sowas wie ein Volkssport und dort vermutlich nicht mal mehr eine Meldung wert, weil auf YouTube bereits hunderte Clips von russischen Kidz existieren und in crazy Russia mittlerweile bestimmt schon viel krassere Sachen angesagt sind. Für mich ist es allerdings das erste Mal, dass ich ein trainsurfendes Mädchen sehe, das als Batgirl auf einer fahrenden Bahn "mitfliegt" (bzw. auf einer ollen und nicht allzu neu wirkenden Antenne) und ich glaube, ich habe selbst in russischen Videos selten jemand gesehen, der so viel Eier hat. Anscheinend gibt es dort nicht nur Männers, die völlig lebensmüde auf den Zug aufspringen.

“We’ve got a saying that a person who will fall will never ride again,” says Kobzarro. This is why the community has put together a user manual with strict safety instructions that any self-respecting trainsurfer is required to know. Despite that, Russian authorities say that last year more than 100 young people died while riding on top of trains. And that number is projected to climb with the spread of the sport. But Kobzarro is unfazed by this fact. “I am not scared at all. I feel absolutely free.”


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Die trainsurfende und Pixação versprühende Berlin-Kidz-Crew hat sich nach mittlerweile 7 Jahren vorerst aufgelöst, lebt aber wohl mit Paradox, dem Head der Masken-Bande, der nun als Solo-Künstler als durchstarten will weiter. Das auf dem YouTube-Kanal von Paradox hochgeladene Video mit dem Titel "RIP Berlin Kidz" ist demnach vielleicht schon sowas wie eine Grabrede und eventuell fährt deshalb auch das letzte Mal eine S-Bahn mit einem nackten Mann auf dem Dach durch die Hauptstadt. Endstation.
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Und während die BVG vermutlich gerade erleichtert aufatmet, gibt's hier zum vorläufigen Abschied nochmal den zweiten Film der Berlin Kidz (aka Fuck the System) und den letzen Beitrag von arte Tracks, der ganz schön zeigt, dass die eindeutig lebensmüden Jungs nicht nur besonders "kreativ" schwarzfahren können.
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Trainsurfing ist offenbar doch nichts, was nur die Kidz von heute machen. Denn das hat anscheinend auch schon die Generation eurer Großeltern gemacht. Oder zumindest einer von ihnen: der Schauspieler und Stuntman Arnim Dahl (u.a. als Double für Heinz Rühmann), der bereits 1957 vom Dach einer fahrenden U-Bahn sprang - und zwar mit einem Salto ins Hamburger Hafenbecken.
Tja. Was die Berlin Kidz können, kann Hamburg eben auch. Und zwar schon knapp 60 Jahre vorher.
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