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Wer keinen vierten Matrix-Film mehr möchte, kann dafür ja vielleicht dem Mandela Effekt etwas abgewinnen, in dem alle Verschwörungstheorien wahr und eigentlich nur schlecht programmierte Bugs in der Simulation sind. Ich bin jedenfalls gespannt, ob und wie Aluhut-Neo sich schlägt. Der Trailer sieht gar nicht mal so schlecht aus.

What is The Mandela Effect? Some believe the universe has shifted. Others call it the collective misremembering of any given event. Many think it's just a conspiracy theory, and that humans have never held the capacity to remember anything properly in the history of the world.

In the Mandela Effect, a man becomes obsessed with facts and events that have been collectively misremembered by thousands of people. Believing the phenomena to be the symptom of something larger, his obsession eventually leads him to question reality itself. (movieweb)


Bielefeld wirbt für Bielefeld, in dem es sich auf das Gerücht beruht, das seit einem Viertel Jahrhundert durch schlechte Gags kursiert: Bielefeld gibt es gar nicht. Nun macht die Stadt, die es nicht gibt denjenigen zum Millionär, der einen endgültigen Beweis für ihre Nicht-Existenz liefert.
Cleveres Marketing. Und die Urpsrungsgeschichte des deutschen Verschwörungstheorie-Klassikers, der natürlich von einem Informatik-Studenten stammt, gibt's auch gleich mit dazu. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ein Freund von mir "angeblich" nach Bielefeld gezogen ist, ich seit dem aber nichts mehr von ihm gehört habe.

1994 schrieb Achim Held, also im wahrsten Sinne des Wortes der Held der Bielefeld-Verschwörung, scherzeshalber seine Gedanken zur vermeintlichen Nicht-Existenz Bielefelds nieder und veröffentlichte sie im Usenet. Die Verschwörungstheorie nahm Fahrt auf und begann die deutsche Bevölkerung glauben zu machen, es gäbe Bielefeld nicht. Der Spruch „Bielefeld? Das gibt's doch gar nicht" war geboren, so gut wie in aller Munde und hielt sich hartnäckig – 25 Jahre.

Wir dachten uns, dass das Jubiläum ein netter Anlass ist, um jetzt mal Butter bei die Fische der Bielefeld-Verschwörung zu machen. Deswegen fordern wir alle geistigen Überflieger dieses Landes dazu auf, uns zu beweisen, dass es Bielefeld wirklich nicht gibt. Der Preis für den ultimativen Beweis: 1 Million Euro. (bielefeldmillion)

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Auf der linken Plattform Indymedia gab es einen anonymen Blog-Eintrag: "Der Rechtsruck in Deutschland, nicht zuletzt durch die etablierten Parteien geduldet, wenn nicht sogar gewollt, erlebt aktuell einen neuen Höhepunkt. (...) Mit ,Wahre Welle TV' scheint nun ein neues braunes Hetzportal seinen Deutschlandstart vorzubereiten." Auf Facebook gab es eine Seite "Breitbart Deutschland", die für "Wahre Welle TV" warb - gefälscht von der antifaschistischen Initiative "Hooligans gegen Satzbau". (Quelle: tagesspiegel)

Garantiert unzensiert und zwangsgebührenfrei hieß es im Trailer, der das übliche Erwachen der Wahrheit ankündigt und aussieht wie ein typischer Propaganda-Film aus dem rechten Spektrum. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat offenbar das Neuland verstanden und diese Woche mit Fake-Marketing-Moves à la Böhmermann einen Online-TV-Sender für Verschwörungstheoretiker an den Start gebracht. Die einzig wahre Wahrheit ist in dem Fall allerdings nur ein Satire-Projekt, das sogar über VK vernetzt war, um den Schein zu wahren.
Schön getrollt, liebe Bundeszentrale - ich ziehe den (Alu-)Hut. Inzwischen ist der Schwurbel-Kanal übrigens auch online. Inklusive Bielefeld Tag & Nacht, Frontal 23 und Alu-Regenschirmen:


...weiterlesen "Ein neuer Kanal für Aluhut-Träger: Wahre Welle TV"


Zwei (Fernseh-)Ikonen der Philosophie und der Wissenschaft an einem Tisch. Harald Lesch und Richard David Precht in einem 45-minütigem Gespräch darüber, warum es eigentlich Verschwörungstheorien gibt, was Aluhut-Träger so denken und wieso Menschen mehr glauben wollen als sie wissen. Ein schönes Stück Kuchen vom Bildungsauftrag der Öffis mit 'ner durchaus spannenden Diskussion. Kann man sich mal antun.

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Dr. Sommer hat es heutzutage sicher auch nicht gerade leicht. In Zeiten, in denen auf Facebook jeden Tag dümmere Fragen gestellt werden als in der Bravo. Und zwar von Erwachsenen.

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Astro-Toni erleuchtet uns mit seinen unfassbaren Rapskills, mit denen er seine Version der Wahrheit verkündet. Die da wäre: die Evolutionstheorie ist Quatsch, Dinos hat es nie gegeben, Gravitation auch nicht und die Erde ist natürlich eine Kugel.
Und dazu gibt's Beef mit "Dummschwätzer" Harald Lesch und "Freimaurer Einstein", die ja sowieso keine Ahnung haben. Yo. Da zieh' ich doch glatt mein Aluhutcap auf - und hoffe sehr, dass das alles nur schlecht gemachte Satire ist.

via aluhoodie-rebellen


Auf den ersten Anschein ein echtes Interview mit einem ganz gewöhnlichen Reptiloiden, der die Lügen der Systemmedien aufdeckt. Am Ende muss er dann aber angeblich nach "Bielefeld". Tze. So heißt doch keine Stadt. Nice Try, Lügenpresse.

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Es soll ja Menschen, die glauben nicht nur an eine flache Erde, sondern auch, dass eine gigantische Schildkröte sie mittels Elefanten durchs All trägt. Und ich wünschte ja manchmal, ich hätte auch so eine blühende Fantasie. Das Bild, was sich bei der gestrigen Mondfinsternis ergeben hätte, sähe auf jeden Fall toll aus. Da ist es fast schon schade, dass das nur eine weitere Verschwörungstheorie ist.

Flatearthler. Immer nah dran am Puls der Zeit. Und doch so weit weg.

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Die Taggesschau mit einem schönen Beispiel für sinnlose Statistiken und warum sie manchmal einfach totaler Käse sind. Und erklärt auch ganz gut, wie absurde Verschwörungstheorien eigentlich entstehen. Ich mach mir dann mal meinen Ofenkäse warm.


Xavier Naidoof hat sich geäußert. Irgendwas mit Unterbewusstsein, Beobachtungen, in denen Menschen sich nicht mehr "mitgenommen" fühlen und gesellschaftliche Strömungen. Und es klingt tatsächlich ein bisschen wie eine AfD-Rechtfertigung nach einem erneuten Patzer. Sehr bizarr das alles. Und sehr bedenklich, weil der Typ ja immerhin 1,4 Mio. auf Facebook hat, die ihm da zum Teil beistehen.
Da darf Radio Havanna mit diesem Song gerne nochmal draufhauen bzw. gegenhalten. Ein bisschen Punk schadet schließlich nie. Auch wenn wir das Hurensohn-Wortspiel eigentlich schon hatten.

Lernt man jemanden online kennen, birgt das stets ein gewisses Risiko: Schließlich kann derjenige anders aussehen als auf seinen Fotos, Mundgeruch haben oder aber beim romantischen Abendessen wilde Theorien darüber ausbreiten, dass Angela Merkel ein von Außerirdischen gesteuerter Reptilienmensch ist. (SüddeutscheZeitung)

Und genau deshalb haben sie jetzt ihr eigene Dating-Website, um auch bei der Partnerwahl in ihrer verschwurbelten Fliterbubble zu bleiben. Awake-Dating ("Wacht auf!") heißt sie und lädt zum gemeinsamen Verschwören ein. Gegründet wurde es von einem Pärchen, das sich bei einer homöophathischen Therapie kennengelernt  hat und nun Kinder plant, die sie natürlich nie impfen wollen. Alles klar. Naja. Jetzt können die Aluhutanmachsprüche auf Twitter letztes Jahr vielleicht auch endlich mal genutzt werden.

Illustration by: Kjell Reigstad