Die neue EUrheberrechtsreform ist seit heute endgültig durch und in spätestens 2 Jahren dürfen vor allem kleine Künstler sich dann mit Lizenzgedöns, gesperrten Parodien und vermutlich noch dämlicheren Copyright-Claims befassen, als es sie jetzt schon gibt. Juhu. Darauf erstmal ein Lied über Uploadfilter, das verzweifelt versucht, Uploadfilter zu umgehen. Inklusive oscarreifer Verkleidung - und schlechter Musik (und zwar so schlecht, dass sie schon wieder gut ist). \o/

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Der Musiker und Gitarrenlehrer Paul Davids hat ein Video gemacht, das nochmal deutlich zeigt, warum die aktuelle Urheberrechtslage unbedingt verbessert werden muss und eine Verschärfung eigentlich das letzte ist, was wir brauchen. Er stellt in Tutorials selbstgespielte Akkorde online - und bekommt dafür 15 Copyright-Claims in nur einer Stunde. U.a. wird sogar sein eigener 5 Jahre alter Song geclaimt, weil ein Verlagslabel ihn 1zu1 gestohlen hatte und nun damit sein Geld verdient. Da YouTube mit den herausgefilterten Massen des jetzt schon fehlerhaften Content-ID-Systems anscheinend überfordert ist, bringt beschweren auch nicht wirklich was, wenn man nicht gerade Universal oder Axel Springer heißt.
Die neue Richtlinie samt Artikel13 gibt ausgerechnet Verlagen noch mehr Macht als sie jetzt ohnehin schon haben und sorgt dafür, dass genau dieser Bullshit wohl noch viel öfter passieren wird. Nur, dass der Scheißhaufen vermutlich noch viel größer sein wird.

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Eben hat uns Internet- und Meme-Experte Axel Voss noch erzählt, dass uPLoAdFiLtEr nIcHt iM tExT sTeHeN, wir uns alle mal beruhigen sollen und das Internet bleibt, wie es ist, da haut die praktische Umsetzung, vor der alle vergeblich gewarnt haben, schon der Theorie ins Gesicht. Twitch hat als eine der größten Streamingplattformen nämlich bereits angekündigt, dass nichts von dem stimmt, was die CDU so den lieben langen Tag verbreitet und plant sowohl Uploadfilter, die wegen Kleinigkeiten ganze Videos sperren werden, weil es - surprise: sonst nicht technisch lösbar ist - als auch eventuelles Geo-Blocking für alle europäischen User (das droht in einem älteren Interview zumindest der Twitch-Chef an). Und ich will ja nicht sagen, dass alle Experten genau das prophezeit haben, aber alle Experten haben genau das prophezeit. Tschüss, freies Internet. Hallo VPN, I guess.

UPDATE: Inzwischen hat Twitch die Gerüchte aber widerlegt. In einer Stellungsnahme versichert ein Sprecher klar und deutlich, dass man nicht in Erwägung ziehe, Nutzer und Communities über etwaige Uploadfilter auszusperren. Die Informationen der Piratenpartei hätten sich lediglich auf spekulative Aussagen ihres CEO bezogen. (Quelle)

Nun. Ich möchte an dieser Stelle nochmal den kompetenten Tweet von Günther Oettinger einbetten, der mit einem geklauten Bild ein paar Zeilen an einen Rapper namens Euro gesendet hat, in denen er Copyright falsch schreibt:

Dr. "Axel Votz", wie Martin Sonneborn ihn immer liebevoll nennt, hat sich erfolgreich gegen alle Experten und die Meinungen der Bürger durchgesetzt und für Verlage seinen altbackenen Urhehebrrechtshaufen ins Internet geschissen. Dafür hat er sich natürlich nicht nur auf Google und Twitter, sondern auch hier seine eigene kleine Memes-"Rubrik" verdient. Ich habe mal Axel's Cyberspace durchforscht und meine Favoriten auf Twitter, reddit bzw. imgur, YouTube und sogar PornHub zusammengevosst (anscheinend "mag" man den Mann wirklich im gesamten Internetz):

"Aber bei Google, da gibt's ja noch die Seite, wo man Memes anklicken kann, eine richtige Rubrik. Ja, da kann man richtig draufklicken."

- Axel Voss, "Internetexperte"

Als ich jung war gab es noch kein Internet

...weiterlesen "Die Memes-„Rubrik“ für Axel Voss"

Erst beschließen Menschen eine Richtline fürs Internet, die Memes erstmal googlen müssen und selbst das dann noch falsch machen. Und nun verabschiedet sich nach der "Niederlage" gegen Artikel13 auch noch Julia "die Jeanne d'Arc des Internetz" Reda aus der Politik (hoffentlich nur vorerst). Das Netz könnte eigentlich frustriert in der Ecke sitzen, von Politik erstmal die Schnauze voll haben und schreien. Tut es aber bisher nicht. Auf Twitter trenden #GehtWählen und #ThankYouJulia mit hochmotivierten Kampfansagen, auf YouTube wollen nun sogar Nichtwähler wählen und viele richten ihren Mittelfinger sowohl gegen die CDU als auch gegen die AfD. Guess the Bots are all right (even the older ones). Und keine Sorge, liebe Politik: das Internet vergisst nichts.


...weiterlesen "The Bots are all right"

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Das Internet hat hart gekämpft, 200.000 Demonstranten, 5.000.000 Unterschriften und etliche Experten wurden am Ende aber einfach hart wegignoriert und das EU-Parlament beschließt nun endgültig die neue Urheberrechtsreform samt aller fragwürdigen Artikel (trotz grandiosem Einsatz von Julia Reda). In der FAZ ist währenddessen von einem Uploadfilter-Gas-Deal die Rede, der alles nicht besser macht. Die ohnehin schon beschissene Urheberrechtslage im Netz wird also nun noch beschissener, Verlage bekommen noch mehr Kohle, kleine Künstler müssen irgendwie zusehen und wir leben wieder in einem Neuland vor unserer Zeit und reisen in die Ära der alten Medien zurück.
Die Richtlinie muss innerhalb von 2 Jahren umgesetzt werden und ich habe noch absolut keine Ahnung, inwiefern das dann auch mein Blögchen betrifft, da es zumindest älter als 3 Jahre ist und damit schon in diese grützige Steinzeit-Reform reinfällt. Und vielleicht erfindet ja bis dahin einfach jemand ein zweites Internet, das wir dann nicht von lobbygesteuerten Faxgerät-Benutzern in Anzügen kontrollieren lassen? Am 26. Mai können wir uns jedenfalls alle erstmal revengieren. Da sind Europawahlen. Die Bots sind enttäuscht und lassen auf Twitter gerade #GehtWählen trenden. Einer von ihnen heißt Edward Snowden.


Vorhin in den Live-Stream der Urheberrechtsreform-Abstimmung im EU-Parlament reingeschaut und wie immer in allen politischen Diskussionen über Artikel11/12/13 war Julia Reda (aka die Jeanne D'arc des Internetz) mein Highlight in einer bisher leider knappen Kiste. Daily-CDU-Fail: Der Typ, der den Vorwurf zurückweist, von "gekauften Demonstranten" gesprochen zu haben, liest als Gegenbeweis ein Zitat von sich vor, indem er von "gekauften Demonstranten" spricht. Trollololol. Darauf erstmal ein Champagner vom Buffet der Urheberrechts-Lobby. Finale gibt's dann gegen 13 Uhr.


Rund 100.000 scheinbar hochentwickelte "Bots" gingen gestern in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt gegen die technisch mindestens genauso fragwürdige Voss-Version der geplanten EUrheberrechtsreform auf die Straße. Insgesamt waren es schätzungsweise sogar über 160.000 200.000 in ganz Deutschland. Dazu kommen die Zahlen in den restlichen europäischen Städten (vermutlich nochmal ca. 10.000). Das sind weit mehr als damals bei den ACTA-Protesten. Neben etlichen YouTubern streamte daher auch die tagesschau live und machte die Demos zur Top-Story. Und abgesehen von der Partei die Partei waren auch Tiemo Wölken (SPD) und Julia Reda (Piraten) dabei, die ja ohnehin meine persönlichen Helden der Debatte sind. 
Die CDU ließ es sich währenddessen nicht nehmen, ein Interview in der BILD zu geben und dort die oft jungen Protestler als von Google & Co. gekaufte Fake-Demonstranten zu bezeichnen, die angeblich 450€ für ihren "Job" bekämen (es geht um eine Reise von 20 (!) Netzaktivisten nach Brüssel). Und genau diese ignorant arroganten Aussagen sind an der hohen Zahl der Demonstranten sicher nicht ganz unschuldig. Oder es war die Sonne, die fast überall mit dabei war und vermutlich auch von bösen Internetkonzernen bestochen wurde.
Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass sehr viele der Protest-"Bots" wahlberechtigt sind und dieses Recht auch bei den kommenden Europawahlen in Anspruch nehmen werden. Die Abstimmung über Artikel11/12/13 findet am kommenden Dienstag statt. Bis dahin - können sich Voss & Co überlegen, ob sie vielleicht sogar eine ganze Generation von Wählern verlieren möchten - und es gibt nochmal (Real-Life-)Memes für alle. \🤖/

 

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Es ist soweit. Nachdem etliche Netz-Experten (u.a. nun auch Edward Snowden), sämtliche Kreativlinge und Urheber im Internet sowie einige Politiker (die, die Suchmaschinen bedienen können) gegen die jetzige Version der geplanten EU-Urheberrechtsreform sind, geht heute nun das halbe Internet auf die Straße. Da auf und von u.a. YouTube, Twitter, Twitch, reddit, Wikipedia und sogar PornHub zum Protest aufgerufen wurde, werden es wohl diesmal zig Tausende Bots sein, die quer durch Europa marschieren. Die Hälfte aller stattfindenden Demos sind dabei in Deutschland - hier die Übersicht mit allen Uhrzeiten und Startpunkten in fast 50 verschiedenen Städten:


Übers Netz sammeln sich auf CreateFresh kleine Künstler aus ganz Europa, um gemeinsamen Output gegen die geplante Urheberrechtsreform zu mixen. Genau so ist auch diesesr Song entstanden, der von einer frei verwandbaren Acapella-Spur ausging und nun ein Gesamtkunstwerk von 3 verschiedenen YouTubern ist (Dan Bull den Rap, Dylan Locke das Video und Grandayy den Beat). Remix-Culture at it's best also. Und übrigens auch einer der Sachen, die mit Artikel 13 noch wesentlich schwieriger umzusetzen wären (Somebody remix this before it's illegal...).
Der Track selbst fasst nochmal hervoragend zusammen, warum die aktuelle Version der Copyright-Directive der EU eine äußerst bescheidene Idee ist und liegt im Gegensatz zu den meisten politischen Texten gut im Ohr. Alles in allem der ideale Soundtrack für die heutigen Demos gegen Artikel 11/12/13. Und ich hoffe, dass nach nach diesem großartigen Video heute nicht nur in Deutschland jede Menge Bots gegen das Robocopyright demonstrieren werden.

Maybe you'll get the picture when I smack you out of the frame
because I don't want to see the internet blacking out for shame
but that's what happening now - yet again
a threatening mechanism on everyhting you say

all hail robocopyright - our great leader (freedom)
I'd rather my router wasn't changed to a rate-meter


Neben reddit und der Wikipedia, die heute die deutsche Seite aus Protest komplett abgestellt hat, ist nun auch eine weitere große Anlaufstelle im Netz gegen die technisch unmögliche Urhebebrrechtsreform der EU: PornHub. Und damit kommt nun wohl nochmal eine wahrscheinlich riesige Menge an Leuten dazu, die Angst um ihre heißgeliebten Pornos haben (vielleicht ja auch einige alte Herren im EU-Parlament) und am Samstag mit gegen Artikel11/12/13 auf die Straße gehen. #SaveYourInternet(-Porn).

Erst schießt Axel Voss mit seinem bösen Meme-Rubriken auf Google den Vogel der Ahnunglosigkeit ab und nun folgt auch noch diese konsequent ignorante Dumm-Tweet der CDU, der versucht, dieses völlige technische Unverständnis auch noch als besonders schlau zu verkaufen. Tja. Hat wohl nicht geklappt. Und ich bin mir gerade gar nicht mehr so sicher, ob die CDU nicht doch einfach eine Satire-Partei ist (oder die heute-show ihren Account gehackt hat).
Doof nur, dass die gleiche Fraktion Internet-Richtlinien von über 500 Mio. Bürgern regulieren will. Die Demos an diesem Samstag finden inzwischen in über 100 europäischen Städten statt.