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"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben."

Es sind seltsame Zeiten, in denen wir gerade leben. Nach Synthwave, Vaporwave und sogar Simpsonswave ist nun offenbar auch Merkelwave kein einmaliges Ding mehr, sondern sowas wie ein neues Musik-Genre. Diesmal bestehend aus Samples aus der vermutlich schon historischen Lockdown-Ansprache zur Corona-Pandemie. Und ich weiß zwar noch nicht, ob ich das beruhigend, deprimierend, motivierend, lustig oder verstörend finden soll, es ist aber - mit Abstand - der passendste Soundtrack zu meiner aktuell hin- und herpendelnden Gefühls(chaos)lage.

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Mit einem durchgeknallten Psychopathen an der Spitze des Landes eine Schlagzeile, die bisher überraschenderweise ausblieb: "Amerikaner schießen auf bewaffneten Hygienedemos in die Luft, um das Virus zu töten". Würde mich aber auch nicht mehr wundern, wenn das einer der nächsten 3 Selbstmord-Tipps von Dr. Präsident werden würde. Immerhin setzt er sich selbst bei Besuchen in Maskenfabriken keine Maske auf und nimmt laut eigenen Aussagen gerade vorbeugend ein "Wundermittel" ein, das nun nachweislich zu noch mehr Toten führt. Was so viel leichtfertig vorgelebte Ignoranz und Dummheit dann mit den Menschen im Land macht, sieht man dann leider aber auch.
Mein Doku-Tipp dazu: Trump und die Coronakrise - der Unverantwortliche. Falls ihr mal sehen wolltet, wie viele Tote es hagelt, wenn ein rechts-konservativer, geldgeiler Vollhonk an die Macht kommt.


Die Quarantäne-Show mit Florian Schroeder. Eines der wenigen Bildschirme-sprechen-in-einem-Bildschirm-Formate, die ich bis jetzt immer noch beinah täglich verfolge, weil die Gästeauswahl verdammt gut und die jeweiligen Gespräche über das allgegenwärtige, aber auch ganz andere Themen durchaus tiefgründig sind, weil der eigentliche Kabarettist aber auch als Talk-Host wunderbar funktioniert (und von mir aus den täglichen Lanz ersetzen könnte). Sehr informativ, sehr philosophisch, aber auch sehr unterhaltsam. Und wenn es nicht schon im Fernsehen ausgestrahlt wird, sollte es eigentlich genau dort auch laufen. Gut, dass es so oder so das Internet gibt.


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Vermutlich wären alle inklusive mir irgendwann komplett durchgehdreht, wenn wir uns in der langen Zeit zuhause nicht Netflix-Filmen oder Musik-Streams zwischendurch hätten ablenken können. Und für mich ist Kultur allein deswegen schon systemrevelant, weil ich in Quarantäne-Zeiten sonst vermutlich bereits vor Langeweile gestorben wäre.
Im Gegensatz zu gerade ausbleibenden Blockbuster-Premieren, gibt es aber auch jetzt zum Glück noch neue Musik. Und zwar nicht nur beim Club-Replacement UnitedWeStream (oder Autokinos), sondern auch durch etliche Wohnzimmerkonzerte und allerlei andere virtuelle Formate, die überall aufgeploppt sind. Inzwischen inklusive komplett digitalen Festivals.
Ich hab' dafür mal ein kleines Best-Of von den ganzen Live-Sessions erstellt, die allein bei mir zuhause in den letzten Wochen so über den Bildschirm flackerten. Mit dabei bei meinem kleinen Tanz-auf-dem-Sofa-Festival sind: die Quarantöne-Mine, Post Malone als neues Nirvana und in ihren Wohnzimmern peformende Künstler wie Erobique, Liser, Modeselektor, Giorgia Angiuli, Bodo Wartke, und Four Tet im isolierten Boiler Room, TOKiMONSTA mit dem vermutlich besten Background beim Digital Mirage Festival, Quarantäne-Specials vom Lumpenpack und dem Ding ausm Sumpf, Juicy Gay und Die toten Crackhuren im Kofferraum im Berlin Culture Cast und Igor Levit, der ausnahmsweise nicht zuhause, sondern im Schloss Bellevue am Klavier saß (inklusive Intro vom Bundespräsidenten). Also: Holt euch ein Bier, macht euch 'ne Dose Ravioli mit dem Feuerzeug warm und genießt die Show(s). Oder macht euch einfach nur ein schönes Wochenende mit sehr guter Live-Akkustik-Atmosphäre.






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(Twitter-)Deutschland bleibt stabil in der Pandemie. Fantasymärchen von in Alufolie eingewickelten Kartoffel-Chips kommen in den Medien nun scheinbar wieder besser an als reale Probleme. Und laut meiner(!) jetzt und hier verkündeten neuen Weltordnung brauchen wir hier nicht nur dringend einen Impfstoff gegen Corona, sondern auch gegen Massenverblödung, Xavier Naidoo, die FDP, Sexismus, Til-Schweiger-Filme, Homophobie, den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Nazis und den Klimawandel. Twittwoch #21.

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Dystopia is here (singapore) from r/pics

Staffel 4, Folge 5 aus der berühmten Serie: Die Welt verwandelt sich nach und nach in alle Black-Mirror-Episoden. Diesmal in der Hauptrolle: BostonDynamics' Robo-Cop-Dog "Spot", der nun in Singapur seine Runde dreht. Und vielleicht ist eine App doch nicht die schlimmste Form der Überwachungstechnologie.

Falls euch die deutschen Covidioten nicht verrückt genug sind, um euch Angst zu machen, schaut euch einfach dieses Pikachu an, das sich in Detroit an den dortigen Governeur wenden möchte. Mit einem Maschinengewhr in der Hand.

Amerikanische Klimaforscher fühlen amerikanische Epidemiologen und ich bin gerade wieder relativ froh, in einem Land leben zu dürfen, das zumindest in einer Pandemie auf die Wissenschaft hört. Wäre allerdings noch toller, wenn wir das bei der vermutlich noch größeren Krise auch genauso tun würden. Aber vielleicht fühlt Deutschland da ja auch nochmal nach. Vielleicht.

 

In Mailand wurden aus 34 Kilometern Straßen für Fahrräder. In Bogotà hat man temporär gar an die 100 Kilometer neuer Radwege entlang der großen Hauptverkehrsstraßen eingerichtet. Brüssel wagt die "Vélorution" und Radler, aber auch Fußgänger sollen in der kompletten Innenstadt Vorfahrt auf den Straßen bekommen, während alle Autos nur noch höchstens 20 km/h fahren dürfen. Und in Frankreich gibt nicht nur Paris gerade 300 Millionen für ein neues Radverkehsnetz aus, die Regierung zahlt auch jedem 50€, der es in ein Fahrrad investieren bzw. reparieren lassen will. Apropos. Fahrräder sind gerade sowas wie das neue Klopapier und haben bei der Google-Suchanfrage sogar erstmalig König Auto überholt.
Und Deutschland so? Nun ja, in Berlin hat zumindest temprorär ein paar Pop-Up-Lanes für Fahrräder eingerichtet. Ansonsten hat der VW-Chef gesagt, dass er letztes Jahr 20 Milliarden € Rekord-Umsatz gemacht hat, aber jetzt gerne ganz viel Geld dafür hätte, damit er noch mehr Autos verkaufen kann. Und unser Verkehrsminister hat sich derweil darum gekümmert, dass Autofahrer auch weiterhin nicht so doll bestraft werden, wenn sie aus Versehen mit mehr als 70 Sachen durch die Stadt brettern und dabei Menschenleben in Gefahr bringen. Toll, Andi.
Gerade jetzt, wo eigentlich alle raus wollen. Die meisten aller Corona-Fälle haben sich nämlich wohl in Räumen infiziert und die Gefahr einer Ansteckung ist draußen scheinbar um ein zig-faches niedriger. Damit wir diesen Effekt nutzen und den Sommer gut rumkriegen, brauchen wir nun aber vollem eines in der Stadt mehr denn je: Platz zum leben. Glücklicherweise haben wir diesen Platz aber schon und müssen eigentlich nur die vielen großen Stahlklötze wegräumen, die dort durchschnittlich 23 Stunden am Tag wortwörtlich im Weg stehen: Autos. Den Platz bräuchten wir aber nicht nur für die vielen Leute, die nun statt der eventuell vollen Öffis das Rad wählen. Auch Fußgänger, Scooter-Fahrer, Skateboarder, Rollifahrer und Kinderwägen nicht ständig auf engen Bürgersteigen einzusperren, könnte das Stadtleben verbessern. Zumal auch Gaststätten und Kulturveranstaltungen jetzt mehr Platz draußen brauchen, wenn das alles irgendwie funktionieren soll.
Und nein, das wäre nicht kurzfristig gedacht, weil wir das nach der Pandemie ja alles gar nicht mehr brauchen. Im Gegenteil. In einigen Städten standen wir durch zu viele Autos bereits vorher schon kurz vor einem Verkehrskollaps. Und den gewonnen Platz können wir auch nach der Krise sicher besser nutzen. Abgesehen davon konnten Wissenschaftler dank der Lockdowns diverser Länder nun das erste mal stichfest belegen, was wir alle eigentlich schon wussten: weniger dreckige Diesel-Karren bedeuten auch deutlich weniger Dreck in der Luft (in Italien sanken die Stickoxid-Emissionen bspw. um bis zu 45%). Eine autofreiere Stadt würde also auch lebenswerter werden, weil dort allein deswegen schon weniger Menschen sterben würden. Mal abgesehen von den vielen Verkehrstoten durch Autounfälle. Eine der Haupt-Ursachen bei Unfällen mit Todesfolgen übrigens: fahren mit erhöhter Geschwindigkeit, Herr Scheuer.