Oktoberfest. Auch so ein Ding, das angeblich für Deutschland steht, mit dem ich aber absolut gar nix anfangen kann. Ich weiß sowieso nicht, warum ausgerechnet bayrische Traditionen als deutsche Kultur weltweit bekannt sein müssen (wer mag denn hier Bayern außer Bayern?).
Ich kann mich damit jedenfalls nicht identifizieren. Null. Und besonders stolz darauf, dass halb München einmal im Jahr bis zum Erbrechen kotzt, kann man meiner Meinung auch nicht sein.
Vielleicht sollte Deutschland statt ständig andere Kulturen zu kritisieren und zu belächeln, sich einfach mal ab und zu an die eigene Nase fassen und sich eingestehen, dass diese angeblich so tolle deutsche Leitkultur auch nicht das gelbe vom Ei ist. So ein bisschen Selbstreflexion soll ja auch ganz sympathisch wirken.

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Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass im Radio immer noch von den "größten Hits der 80er, 90er und heute" die Rede ist und die Kultur der 2000er sich irgendwie so gar nicht fassen lässt? Klar. Klingt auch irgendwie blöd. Die 00er-Jahre. Das kann aber eigentlich nicht das Problem sein.
Denn tatsächlich fällt es mir und vermutlich auch euch schwer, den 2000ern eine spezielle Art von Musik, Filmen usw. klar zuzuordnen. Natürlich gibt es hier und da ein paar große Ereignisse, die wir alle mit diesem Jahrzehnt verbinden (in 2 1/2 Jahren sogar zwei Jahrzehnte). Die sind aber nicht gemeint. Denn versucht mal, einen euch unbekannten Song aus den letzten Jahren in eines der letzten beiden Jahrzehnte einzuordnen. Gerade, wenn ihr Electro- oder Rock-Musik hört, ist das fast unmöglich.
Eine mögliche Erklärung dafür ist für mich schlicht und einfach das Internet. Bevor das erfunden wurde, haben wir fast all unseren kulturellen Input durchs Fernsehen bekommen. Egal, ob es nun die Top 20 auf MTV waren oder der neueste Film-Film auf Sat1. Dadurch kennen wir alle so ziemlich dieselben Dinge und können u.a. sämtliche Songtexte von damals noch auswendig. Eben, weil wir so viel Auswahl dann gar nicht hatten und im Prinzip kulturell beschränkt waren. Das ist auch der Grund, warum es seit mehr als 10 Jahren jedes Wochenende irgendwo eine 80er- oder 90er-Party gibt, aber halt so gut wie keine 00er-Parties.
Heute ist alles anders. Das Angebot ist um ein tausendfaches größer geworden. Im Internet gibt es so viel Musik zu entdecken, dass es doch eher selten geworden ist, jemanden auf der Straße zu treffen, der exakt die selbe Musik hört. Selbst, wenn er oder sie Fan vom gleichen Genre ist. Ähnliches gilt wohl für Filme, wenn auch, einfach weil es insgesamt weniger Filme als Lieder gibt, nicht ganz so krass.
Wir können eben mittlerweile alles sehen und hören, was wir wollen - und zwar immer und überall - mit nur ein paar Klicks. Da ist ja fast irgendwie klar, dass wir alle in die unterschiedlichsten Richtungen gehen - und es immer weniger Sachen gibt, auf die wir uns alle "einigen" können. Heute sind es dann vielleicht eher die viralen Hits, die meistverbreiteten Memes oder ähnliches Zeugs, das wir alle mitkriegen und sich dann in unser gemeinsames kulturelles Gedächtnis brennt.
Ein bisschen schade find' ich das alles ja schon. Auch wenn ich den ganzen kulturellen Stuff, den man durchs Netz erst entdecken konnte, genauso wenig missen möchte. Hoffen wir einfach mal, dass das keine wirklich dramatischen Auswirkungen hat und wir uns dennoch immer stets irgendwie vereint fühlen werden.

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Mich nervt diese ganze Leitkultur-Diskussion ja, weil ich mit den meisten Deutschen, die kulturell irgendwo zwischen Helene Fischer, Oktoberfest und Fußball angesiedelt sind einfach nix anfangen kann. Und mit Thomas de Mazière noch weniger. Laut dem ist meine Integration schon gescheitert, weil ich keinem die Hand schüttel, sondern so gut wie immer die Bro-Fist gebe. Burka bin ich aber auch nicht. Jedenfalls steht in meinem Personalausweis was anderes. Wenn wir aber schon aus irgendeinem absurden Grund Kleidungsstücke angeben sollen, die wir nicht sein wollen, möchte ich lieber keine Springerstiefel sein. Und keine Socken in Sandalen. Bei einem "Wir sind Jogginghose" wär' ich aber wieder dabei.

Der letzte Remix (Mediathek-Link). Eine fantastische Doku vom ZDF über unsere moderne Remix-Kultur, die sich künstlerisch frei im Internet bewegt und auf Inspiration und Sampling aufbaut - und das vollkommen widersprüchliche und veraltete Urheberrecht, gegen das sie kämpfen muss. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit 2.0 sozusagen. 
Auch wenn die Doku von 2014 inzwischen in einigen Punkten rechtlich überholt wurde, wie z.B. dem nun freien HäppiBörthday-Song oder dem Urteil zwischen Moses P. und Kraftwerk, das in diesem Jahr Sampling (zum Teil) offiziell legal hat werden lassen.

Remixe, Mashups und Collagen sind Kunstformen, die durch das Internet zum Massenphänomen geworden sind. Sie werden häufig als "Straßenkunst" herabgesetzt und marginalisiert, weil sie sich in den gängigen Verwertungsformeln nicht fassen lassen.
Weil dabei auf vorhandenes Material zurückgegriffen wird, ergibt sich ein Problem: das Copyright. Das Doku-Essay "Der letzte Remix" begibt sich in diesen Grenzbereich und das Dahinter.

Eigentlich ist es ja völlig absurd, dass das Urheberrecht seit dem Internet nicht einmal komplett runderneuert wurde. Posten wir doch mittlerweile auch ständig Bilder, GIFs oder sonstwas, die nicht von uns stammen.
Und im Grunde macht man sich damit jedes mal zum Kriminellen, denn es ist immer ein Verstoß gegen das Urheberrecht (als Blogger kann ich selbstverständlich ein gemafreies Lied davon singen). Aber natürlich holt jeder von uns jedes Mal vorher die Erlaubnis des Urhebers ein oder achtet immer auf lizenzfreie Richtlinien. Wir haben ja auch alle sonst nichts zu tun.

Songs, Bilder, Filme und sowieso everyhting is a remix. Was im Grunde nichts anderes bedeutet, als dass jeder, der in irgendeiner Form sowas wie Kunst macht - auch von Kunst inspiriert ist. Diese, wie ich finde ziemlich logische Theorie, untermalte Kirby Ferguson vor ein paar Jahren mit einer sehr sehenswerten Doku. 
Nun hat er sich dem neuen Star Wars gewidmet und mal aufgeschlüsselt, wieso The Force Awakens uns storytechnisch wie eine Kopie von Episode IV vorkommt und warum das eigentlich von vorherein klar war.
Wer die Originaldoku nicht kennt - kam vor knapp 'nem halben Jahr als Remastered-HD-Version nochmal neu raus und sollte eigentlich jeder mal gesehen haben:

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Niko Hüls (Backspin) und Falk Schacht (MixeryRawDeluxe & irgendwann hoffentlich noch 'ne eigene Show!) haben sich beim Reeperbahn-Festival getroffen, um ein bisschen über die Ursprünge von Hip-Hop zu plaudern. Aufhänger war das frisch erschienene Graphic Novel Hip Hop Family Tree - Die frühen Jahre des Hip Hop, das Falk mit ins Deutsche übersetzt hat. Und ich kann mich sogar erinnern, dass ich eigentlich dahin wollte, hab's aber dann irgendwie verplant.
Umso besser, dass die knapp 60-minütige Geschichtsstunde über Hip-Hop aka Comiclesung (in der es u.a. um sein Geburtsdatum, die Zulu Nation, den allerersten Rap-Song, das erste Battle, Religion & den Weihnachtsmann geht) nun online ist. Heftiger Scheiß!

























(Direktlinks:
Wie hat Hip-Hop angefangen? (Part 1/3)
Stromausfall in New York - Lichtblick für Hip-Hop (Part 2/3)
Das erste Rap-Battle der Welt (Part 3/3)
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Wenn schon Hochkultur, dann von einer mysteriösblauen Aliendiva vor einem Greenscreen. Die Szene dürfte ja fast jedem bekannt sein, nur halt noch nie in ganzer Länge. Ab ca. 3:40 finde ich den Song dann übrigens sogar wirklich gut.

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 Eigentlich habe ich mich schon irgendwie satt gesehen an diesen Epic Rap Battles of irgendwas. Aber hey, das hier ist ja quasi ein Namens-Derby. Und auch ein ziemlicher guter Vergleich in Sachen Kultur - und vollkommen unterschiedlicher Kultur.
Oder in anders: italienische Künstler der Zeitgeschichte vs. amerikanische Ninja-Schildkröten, die von einer Ratte (mit Vorliebe für italienische Künstler) aufgezogen wurden. Kann man sich schon mal antun.

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 Der in Japan lebende Chris Broad hat mit Hilfe einiger Ausgaben von How To Use Fuck Correcty (99 Phrases Using Fuck, Shit, Damn, and Hell that Schools Won’t Teach You that Should be Used with Care) dort einer Hand voll Anwohner das Fluchen an- und unanständig beigebracht. 
Ziemlich unterhaltsamer Kulturaustausch mit fast so vielen f-Worten wie in Pulp Fiction. Fun-fucking-tastic.

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 Memes sind wohl das Internetding überhaupt. Die meisten von ihnen waren ursprünglich ja mal Film- oder Serienzitate, die sich anschließend mit dem dazugehörigen Screenshot aus der Szene verbreitet haben. Inzwischen haben sich einige wenige davon sogar schon in unseren Sprachgebrauch integriert, oder zumindest in meinen. Well, that escalated quickly. 
Der YouTube-Kanal Top10Memes hat ein paar der bekanntesten viral abgehenden Bildchen gesammelt und für euch die jeweilige Originalszene, die eigentlich dahintersteckt, rausgesucht. Tolle Sache, bei der man in 6 Minuten viel darüber erfährt, wovon wir Internetmenschen uns so alles haben inspirieren lassen. Ich bin für mehr bzw. einen zweiten Teil!

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