Arte Tracks war in Hamburg unterwegs und hat die OZM Gallery in der Schanze besucht, die vor 10 Jahren noch eine alte Fabrik war und mittlerweile ein Gesamtkunstwerk entstanden ist. Dort lässt sich u.a. auch das einzige erhaltene Indoor-Werk von OZ bewundern, in dem auch ein fröhlich bunter Sarg für die verstorbene Hamburger Graffiti-Legende steht (RIP).
Wer vorbeischauen will, muss sich allerdings beeilen - denn das ganze Ding wird wohl leider bald abgerissen. Zur Not gibt es aber auch noch einen virtuellen Rundgang via 360°-Cam auf der offiziellen Website.

„Die OZM Art Space Gallery im Hamburger Schanzenviertel ist der bunt bemalte Traum der europäischen Graffiti-Szene. Tausendfünfhundert Quadratmeter Street-Art verteilt auf drei Etagen. Szene-Stars wie Darco FBI, Oz oder Won ABC haben hier ganze Räume gestaltet. Doch nun kommt der Abriss und die Street Art wird, was sie eigentlich immer war: vergänglich.“


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Eunique sendet euch mit einer Hymne über meine Perle ein paar Hip-Hop-Vibes aus dem Norden - und ich setz' die Kapuze auf. Hamburger Swag.

Hansestadt Hamburg - Ich lass' es regnen auf euch jeden Tag!


Ich bin ja einer dieser Menschen, die über Umwege von Berlin nach Hamburg gezogen sind und beide Städte eigentlich ganz gerne mögen. Gut, Wetter und Fußball kann Hamburg jetzt nicht so, dafür fährt man aber, weil alles ein bisschen kompakter ist auch nicht stundenlang durch die Gegend, wenn man sich mal "kurz" auf'n Kaffee trifft. Der Döner ist hier im Norden zwar kleiner und schmeckt nur halb so gut, ist dafür aber wenigstens doppelt so teuer als in Berlin.
Aber hey, wir haben einen richtigen und schönen Hafen, den motherfukkin' G20 überstanden (welche Stadt kann das schon von sich behaupten?) und hier leben die wenigsten AfD-Wähler aller Bundesländer, Diggers. Macht das erstmal nach, ihr Berliner. Oder hört euch einfach den ganzen Text vom Slammer Sebastian Lehmann an. Ist nämlich auch was für euch. ...weiterlesen "Über seltsame Menschen, die Hamburg nicht mögen – und Berlin"

Der Sommer plätschert hier im Norden so vor sich hin und beim Dockville-Festival wird im Regen getanzt. Und später verliert dann wieder dieser HSV verletzt sich der Torschütze vom HSV beim Jubeln - ist er wohl nicht gewohnt. Ein typischer Tag aus meinem Leben in Hamburg. Naja. Wenigstens kein G20 heute.

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Nur eine Woche nach G20 waren letztes Wochenende schon wieder jede Menge Assi-Touris in Hamburg, um bei einem Großevent die Sau rauszulassen. Beim von mir über alles gehassten Schlagermove, der sich aus einer Mischung aus Ballermann-Publikum und Karnevalsverein zusammensetzt und in ganz St. Pauli nicht nur viel Müll, Kotze und Pisse hinterlässt, sondern - viel schlimmer noch - den Kiez mit Helene Fischer dauerbeschallt.

Nach der Aufräumaktion letzte Woche beim G20 fragten wir uns hier Samstag noch, ob diesmal auch wieder jemand den Job übernimmt. Und ja, gab es. Ein netter Block aus ca. 30 Linken trat als Putzkolonne an, wurde dann aber von etwa 100 Bereitschaftspolizisten vorzeitig gestoppt, weil sie teilweise vermummt waren und als unangemeldete "Demo" galten.
Schließlich bekamen sie sogar Putzverbot. Und ich finde das alles nicht nur sehr deutsch und sehr ironisch, sondern irgendwie auch bezeichnend für die Arbeit der Polizei letzte Woche beim G20. Hier ein ganzer Blog-Artikel von einem der beteiligten Aufräum-Aktivisten mit den dazugehörigen Fotos.

Verkehrte Welt? Hier putzt ein „Schwarzer Mob“ den Kiez!

Verkehrte Welt? Hier säubert ein „Schwarzer Mop“ den Kiez von den Überresten des Schlagermoves!
Viel Müll ist allerdings nicht zu holen, schließlich war ja bereits in den frühen Morgenstunden die Stadtreinigung im Einsatz – das dürfte den Organisatoren allerdings egal sein. Hinter dem Putz-Aufruf stehen die Aktivisten von „G20 entern“. Mehr über die klar ironisch gemeinte Aktion hier: http://bit.ly/2t4Ubot

Posted by Hamburger Morgenpost on Sonntag, 16. Juli 2017


In einem Paralleluniversum wurde in der Schanze letzte Woche die Legalisierung bekannt gegeben, weshalb es zu riesigen Rauchschwaden aus THC über der ganzen Stadt kam. In unserem Universum ist es leider nur ein alter Aprilscherz. Allerdings verbunden mit einem lesenswerten Artikel, bei dem ich gerade ein wenig ins Träumen kam. Sorry fürs falsche Hoffnung machen, liebe Kiffers aus Hamburgo.

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Ja, ich weiß. Böse. Sehr böse sogar. Und vielleicht sogar für Hardcore-Zyniker ein wenig drüber. Aber so sind sie halt - die von der Titanic. Ich mag sie ja trotzdem. Oder vielleicht auch genau deswegen.

Eigentlich habe ich hier ja schon eine Sammlung mit den stärksten Protest-Schildern der G20-Demos. Das hier kriegt aber sogar seinen eigenen Post. Zu gut.

Wenn ihr euch über die Schanze so empört, dann sagt nicht Afghanistan sei sicher.

Passend dazu gab's ein Reuters-Interview mit Flüchtlingen aus Hamburg, die Statements zu den Krawallen in der Schanze abgeben haben. Sie können den Protest in der Form insgesamt nicht nachvollziehen - hatten aber auch nicht wirklich Panik, weil sie viel krassere Gefahrensituationen aus ihren Heimatländern gewohnt sind.

"If people did this in Egypt they would be shot," said Ibrahim Ali, a 29-year-old Egyptian who came here in 2011. "The state provides everything: housing, unemployment benefits and education. Yet those people are not happy. I don't get it."

[...]"This is nothing. I'm not scared," he said, sharing pictures with family members living in Turkey. "Bombs falling on your neighborhood, that's scary."

So viel zum Thema es gibt (k)einen Unterschied zwischen Links- und Rechtsextremismus.

So gehen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestlern eben auch. Denn man kann sich ja auch ohne Gewalt battlen (HipHop-Style). Zum Beispiel im ABI-Noten-Duell auf der Straße. Inklusive Kreide-Drop der Demonstrantin und einem kläglichen Rebattle-Versuch des Polizisten aus ihrer 1,7 eine 4,17 zu machen. Buh. Schwache Punchline, Herr Wachtmeister.
Aber hey, ist mir alles lieber als wenn sie sich gegenseitig die Köppe einhauen. Für die nächste Demo schlage ich übrigens vor, alle Kämpfe zwischen gewaltbereiten Cops und randalierenden Protestlern nur noch durch Rap-Battles entscheiden zu lassen. Ich mach' auch den Schiri.


Nicht nur die Berliner Party-Bullen, auch die Guerilla-Streetartists Rocco und seine Brüder sind aus Berlin zur Verstärkung nach Hamburg gereist. Allerdings um ihre Form von Protest auszuleben - und zwar einen, der neben den tollen Schildern der friedlichen Demos und den 1000 Gestalten mein Favorit in puncto Kreativität ist. Im Video zur Aktion laufen gleichzeitig Rage Against The Machine und der Dirty-Dancing-Soundtrack. Es muss also Kunst sein: In der S-Bahn hat das Künstler-Kollektiv eine Puppe in Polizei-Demo-Uniform an den Beichtstuhl gesetzt und ihn für seine Kollegen Buße tun lassen.

Und dort sitzt er in anscheinend weiser Voraussicht (denn die Aktion ist schon 3 Tage alt) auch nicht ohne Grund. Denn "Sünden" gab es ja nicht nur von den Krawall-Touris, sondern auch vom "Freund und Helfer" diesmal wieder genug:

THE LAST RIDE | Rocco and his brothers
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"Für Bastler sicher kein Problem." Höhö. Ich mag ja diesen Humor im Norden. Der ist so trocken wie etwas, das sehr trocken ist.