5

 
Bisher kannte ich DNA-Modifikationen ja haupts├Ąchlich aus Jurassic Park, in dem die Sache mit den im Genlabor gez├╝chteten Dinos am Ende dann doch nur so semi-gut ausging, wie wir alle wissen (life finds a way). Nun. Gestern habe ich dank eines kleinen Ausflugs nach Berlin (mit ganz besonderen Drogen) und Jahrzehnte langer Forschung mit CRISPR-Gentechnology meine erste Injektion mit synthetischer DNA ins Zentrale Nervensystem meines R├╝ckenmarks gespritzt bekommen, um meine Stammzellen zu modifizieren. Wie in so 'nem fuckin' Sci-Fi-Film. Nur, dass ich nicht aus der Zukunft komme, denn: That's Wissenschaft im Jahr 2019.
Der fortschreitende Verlauf meiner Erbkrankheit (SMA) ist damit nach nun 32 Jahren angeblich gestoppt (thanks, Science) und nach der 4. Ladung mit DNA-Upgrades aka Spinraza soll ich eventuell auch wieder kleinere Dinge k├Ânnen, die ich nicht mehr kann. Mal gucken. Gerade geht's mir auf jeden Fall ganz gut, bin aber ein bisschen platt vom 3 Tage im Krankenhaus rumgammeln (immerhin gab's kostenloses WLAN) und hier im Blog geht's dann wohl morgen wieder mit dem ├╝blichen Krimskrams weiter. Bis dahin verabschiede ich mich f├╝r heute erstmal mit den Worten eines gif'd Jesse Pinkman:


Open Bionics produziert f├╝r behinderte Kids bionische Roboter-Arme im Look von Iron Man, Star Wars und dank der Live-Action-Verfilmung des Cyberpunk-Animes nun auch ├á la Battle Angel Alita. Die 13-j├Ąhrige Tilley Lockey bekam von der Bionik-Firma aus UK (& 20th Fox, James Cameron und Regisseur Robert Rodriguez) die erste Version geschenkt und stahl damit bei der Premiere des Films allen die Show.
Und ich glaube, die Zukunft samt technologischen Fortschritt und Robotern ist vielleicht gar nicht der Untergang der Menschheit, sondern eventuell auch einfach ziemlich cool. Mit Roboter-Armen┬áf├╝r Kids statt Roboter-Armeen f├╝r Erwachsene. Inklusive Cyborg-High-Fives, Techno-Fist-Bumps und Superpowers. ­čĹխ襾

Meet the Hero Arm, the world's first clinically approved 3D-printed bionic arm, with multi-grip functionality and empowering aesthetics. Engineered by our awesome team in Bristol, UK, the Hero Arm is a lightweight and affordable myoelectric prosthesis, available now for below elbow amputee adults and children aged eight and above. Grab, pinch, high-five, fist bump, thumbs-up. Welcome to the future, where disabilities are superpowers.

For Tilly is, in many ways, the real-life Alita: a bionic young woman, with astonishing state-of-the-art robotic arms that look exactly like those of her fantasy counterpart.

The schoolgirl, who lost her hands and forearms to meningitis as a baby, is one of a small but growing group to sport HeroArms ÔÇô technically advanced prosthetics with hands and wrists that move and grip like the real thing.

Astonishingly, the user simply has to think about a desired movement and the HeroArmÔÇÖs fingers spring into life.

...weiterlesen "Bionic Kids: Roboter-Arme f├╝r Kinder im Cyberpunk-Anime- und Sci-Fi-Movie-Style"


Behinderte Ausl├Ąnder. Ein Trailer f├╝r einen kurzen Langfilm (oder langen Kurzfilm mit 45min), in dem es um eben k├Ârperlich behinderte Migranten geht, die somit gleich zu zwei sogenannten Randgruppen geh├Âren, die nicht selten diskriminiert werden. Der Film ist allerdings schon 5 Jahre alt und in den unendlichen Weiten des Internetz konnte ich ihn bisher leider nicht finden. H├Ątte aber gro├čes Interesse.
Regisseur Alireza Golafshan bringt allerdings gerade einen Kinofilm namens Goldfische heraus, in dem es um eine WG mit durchweg behinderten Mitbewohnern geht, der sich zumindest zu 50% um die gleiche Thematik dreht und schauspielerisch auf jeden Fall top besetzt ist (u.a. Tom Schilling, Jan Henrik Stahlberg & Kida Khodr Ramadan).

Emre und Laura haben ein Projekt. Eigentlich kennen sie sich nur von der Bushaltestelle. Emre ist ein junger, t├╝rkischst├Ąmmiger Rollstuhlfahrer. Genau das, was Laura gesucht hat. Sie m├Âchte ihre Masterarbeit in Soziologie ├╝ber ihn schreiben. Emre hingegen will die h├╝bsche Studentin vor allem wieder treffen. Also willigt er ein. Von nun an treffen sich die beiden regelm├Ą├čig. Das Uni-Projekt ist manchmal schwer von einem Flirt zu unterscheiden und Lauras ÔÇ×wissenschaftlichenÔÇť Fragen tragen dazu bei: ÔÇ×Hattest du mal eine Beziehung?ÔÇť ÔÇô ÔÇ×Ich bin Jungfrau. Aber ich kann schon, ne?ÔÇť

5


Genmanipulation hat f├╝r viele ja immer einen ethisch schlechten Ruf, weil es immer hei├čt, dass wir Menschen nicht Gott spielen sollen. Mir ist Gott allerdings schei├č egal, denn auch ich habe - was vermutlich die wenigsten, die hier mitlesen wissen werden - eine bisher unheilbare Erbkrankheit namens SMA (Spinale Muskelathrophie). Bisher. Denn die selbe Krankheit, bei der meiner Mutter vor 30 Jahren gesagt wurde, dass ich keine 18 werde (tja, mittlerweile bin ich 32, ihr Fucker), ist 30 Jahre sp├Ąter fast vollst├Ąndig durch gezielte Spritzen zur Modifikation von Stammzellen heilbar geworden. Zumindest in einigen F├Ąllen.
Es gibt allerdings einen Haken: denn ich h├Ątte diese Spritze vor 30 Jahren bekommen m├╝ssen, damit sie ihre volle Wirkung erzielt. Da es Zeitmaschinen aber selbst im Jahr 2019 noch nicht gibt, wird das wohl eher schwierig. Mit ein bisschen Gl├╝ck f├╝hrt die ganze Prozedur aber auch bei mir zumindest dazu, dass es nicht beschissener oder sogar minimal besser wird, was f├╝r mich dann unter Umst├Ąnden bedeuten kann, dass ich 5, 10 oder 20 Jahre l├Ąnger leben darf. Wie gesagt, mit Gl├╝ck. Aber man nimmt ja, was man so kriegt, ne?
Nun. Vielleicht k├Ânnt ihr euch jetzt ja in etwa vorstellen, warum ich Gentechnik erstmal ziemlich geil finde - und zu was die Menschheit dann alles erst in den n├Ąchsten 30 Jahren f├Ąhig sein k├Ânnte. Falls nicht, alles Weitere erfahrt ihr im Video der Erkl├Ąrb├Ąren von kurzgesagt.

Das ist ├╝brigens der selbe Fernsehturm, auf den Rollstuhlfahrer trotz eines Fahrstuhls nicht d├╝rfen. Wegen "typisch deutschen Brandschutzbestimmungen", hat man mir damals gesagt und steht auch so ├Ąhnlich im Netz (damit sich auch ja keiner hinauf schleicht, der nicht richtig laufen kann, ist sicherheitshalber sogar noch eine Treppe vor dem eigentlichen Lift).
Ein wahrlich tolles Symbolbild f├╝r Inklusion. Denn im Endeffekt ist das alles doch ziemlich bezeichnend f├╝r den aktuellen Stand dieser Thematik: Die Bundesregierung feiert den internationalen Tag der Menschen mit Behinderung - und die "Party-Location" ist nicht barrierefrei.

Der Berliner Fernsehturm wurde Anfang der 1960er Jahre geplant und 1969 er├Âffnet. In dieser Zeit war man Menschen mit Behinderung gegen├╝ber noch nicht so aufgeschlossen wie heute. Das Wort ÔÇ×BarrierefreiheitÔÇť kam im Sprachgebrauch praktisch nicht vor und die erforderliche R├╝cksichtnahme auf die Belange von Menschen mit Behinderung war im allt├Ąglichen Leben nicht im Bewusstsein der Gesellschaft.


Kills on Wheels (deutscher Titel: Rolli Blues). Eine schwarzhumorige Kom├Âdie aus Ungarn ├╝ber drei angehende anfahrende Gangsta im Rollstuhl, die im Budapester Untergrund ans Mafia-Milieu geraten. Ein Film mit jeder Menge Kugeln im Kopf, gut riechenden Comics und Mord durch Behinderungen.

Der 20-j├Ąhrige Zolika ist auf seinen Rollstuhl angewiesen. Sein bester Freund Barba Papa ist ebenfalls k├Ârperlich beeintr├Ąchtigt. Als die beiden den Auftragskiller Rupaszov kennenlernen, der auch im Rollstuhl sitzt, geraten sie immer tiefer in die surrealistische und brutale Welt des ungarischen Gangsters.

"Du machst auf Killer von morgen
- doch ich hab dich flowen h├Âren und bin deshalb behindert geworden, Alter."

Ein im Rolli sitzender Rapper mit dem passenden Namen Rolling G war vor 2 Wochen beim neuen Rap Am Mittwoch (aka TopTier Takeover) zu Gast und hat dort mit ein paar gepflegt selbstverarschenden Punchlines seine Battle-Gegner restlos zerst├Ârt. Als "Waffe" nutzte er daf├╝r einfach seine eigene Behinderung. Tja. So easy geht die Inklusion ins Rap-Game, Digga. Hip-Hop ist f├╝r alle da: One Love.

"Auf die B├╝hne steppen? Ich hab keine Zeit daf├╝r -
Bruder guck dir dein Gesicht an - wegen dir wurde mein Behindertenausweis ├╝berhaupt erst eingef├╝hrt."

via


Auf dem SOS-Hof Bockum leben und arbeiten 64 Menschen mit geistiger Behinderung. Vier von ihnen spielen in einer Band. Und ich habe gerade einen Ohrwurm von ihrem ersten Musikvideo, das vermutlich das sch├Ânste Musikvideo ist, dass das kleine D├Ârfchen in der L├╝neburger Heide je hervorgebracht hat. Bitte mehr Klicks f├╝r die vielleicht beste behinderte Band der Welt, liebes Internet. Danke.

Die Bockum Band ist seit 2013 fester Bestandteil der SOS-Dorfgemeinschaft Hof Bockum. Die Dorfgemeinschaft beherbergt Wohngruppen, Hausgemeinschaften, ambulante Betreuungen sowie Werkst├Ątten f├╝r behinderte Menschen.
Carlo, Daniel, Frank, Kathy und Marcel leben nicht nur alle in der SOS-Dorfgemeinschaft Hof Bockum, sie vereint auch eine gro├če Leidenschaft: die Musik! Eine eigene Band - das war ihr gro├čer Traum. Und mit dem Musikvideo ÔÇ×AnnaÔÇť verwirklichen sie auch gleich ihren n├Ąchsten Traum ÔÇô den vom eigenen Musikvideo.

Klar. Beim aktuellen Pflege(not)stand in Deutschland und den immer noch herrschenden sozialen Diskriminierungen von Behinderten f├Ąllt der AfD beim Thema Menschen mit Behinderung nat├╝rlich nur eins ein: Alle auflisten und unterschwellig die Frage stellen, ob das nicht alles Inzucht-Opfer aus dem Ausland sind.
Anscheinend bekommen die inzwischen keine 2 S├Ątze mehr raus, ohne sie in den Kontext mit Migration zu bringen. Tja. Ich erlaube mir da jedenfalls mal eine Gegenfrage: Wie viele Menschen mit einer Lern- oder geistigen Behinderung sind eigentlich in der AfD? Ich w├╝rde ja sch├Ątzen, da liegt die Quote weitaus h├Âher als 2%.


Kleiner Mix aus Musikvids, die ich mir gerade geg├Ânnt habe: Shigeto mit der chilligen Fortsetzung seines Detroits, Romano mit einem etwas anderen Rapsong ├╝ber M├╝tter und Trailerpark mit einer "behinderten" Hymne f├╝r ganz normale Menschen wie mich.┬á( ═í┬░ ═ť╩ľ ═í┬░)

.

Samuel Koch steht auf setzt sich ein f├╝r den f├╝r behinderte Menschen nicht besonders attraktiven (Teilhabe-)Gesetzesentwurf f├╝r behinderte Menschen. Auch wenn ich ja dachte, dass die Nummer mit der Heirat abgeschafft und die 2600er-Grenze laaaaangsam angehoben wird.
Furchtbar bleibt aber die Tatsache, dass das neue Gesetz es erm├Âglicht, Behinderte aufgrund Kostenersparnisse wieder vermehrt in Heime stecken zu k├Ânnen. Und das ist f├╝r mich, der ein halbes Jahr die Stadt verklagen musste, um nicht in ein Altersheim "eingesperrt" zu werden ein richtiger Schlag in die Fresse (dass ich nullkommanix erben darf, trifft dann eher meine Eltern ins Gesicht).
Zus├Ątzlich habe ich den Fehler gemacht, die Kommentare unter Samuel Koch's Post zu lesen, in denen mal wieder steht, dass ich ja Sozialhilfeempf├Ąnger bin und somit auch solidarisch meinen Teil zur Gesellschaft beizutragen habe, in dem ich verzichte. Als ob ich mir ausgesucht h├Ątte, Sozialhilfe zu empfangen, die eigentlich nur zur Unterst├╝tzung eines bestimmten Lebensabschnitts gedacht ist. Ich habe diesen Status eben mein fuckin' Leben lang.
Au├čerdem sollte man vielleicht mal betonen, dass meine Sozialhilfe mir geldtechnisch keinen einzigen Cent einbringt. Das gesamte Budget, das ich erhalte, geht an 6 Menschen aka Assistenten, die dadurch einen Job haben und dadurch wiederum Sozialabgaben und Steuern zahlen wie ich als - in dem Fall - Arbeitgeber auch. Im Prinzip finanziere ich durch meine Sozialhilfe also 6 Leute und gebe knapp 1/3 des Geldes an Krankenkassen ab. So viel zum Thema solidarischer Beitrag f├╝r die Gesellschaft.
Als Deal kann ich daf├╝r dann halt so leben, wie ein ganz normaler Dude (von den Behinderungen im Alltag mal abgesehen). Ich kann aufstehen und ins Bett gehen, wann ich will. Ich kann rausgehen, wann ich will (auch wenn es nachts um 2 f├╝r 1 Bierchen ist). Ich kann pinkeln, wann ich will (bzw. wenn ich muss).
Ich kann duschen, wann ich will. Ich kann mich mit meinen Freunden treffen, wann ich will (und wann sie wollen). Ich kann essen, wann und vor allem was ich will. Und ich muss auch nicht die 54-j├Ąhrige Krankenpflegerin Erna mit aufs Festival nehmen, um dort bspw. pinkeln zu k├Ânnen, sondern kann mir aussuchen, wer was mit mir anstellt. Abgesehen davon h├Ątte Erna sowieso keine Zeit, um mit mir rauszugehen. Die anderen Heiminsassen brauchen ja auch Hilfe.
All' das ist jedenfalls nur m├Âglich, weil ich nicht in einem Knast Heim bin. Und all' das brauche ich nun mal - sowohl f├╝r mein Sozial- als auch f├╝r mein Berufsleben. Ist das echt zu┬áviel verlangt? Anscheinend schon. Aber ehrlich gesagt, habe ich mich ja ohnehin abgefunden damit, dass die Menschheit eher daran interessiert ist, sich auf dem Mars anzusiedeln, als hier erstmal alle Dinge zu regeln.

Das Heimexperiment von Raul Krauthausen findet ihr in voller L├Ąnge ├╝brigens hier.

Wir alle lieben Graffiti und Streetart. Blinde k├Ânnen diese Kunstform hingegen leider so gut wie gar nicht wahrnehmen. Bis jetzt zumindest. Der Konzeptk├╝nstler Alexis Dworsky und Beatmaker Sepalot (ehemaliger Blumentopf-DJ) haben sich dieser Ungerechtigkeit n├Ąmlich mal angenommen und versucht die Kunst der Stra├če auch au├čerhalb des Auges zug├Ąnglich zu machen (die Kunst der Inklusion)
Dazu haben sie u.a. bespr├╝hte W├Ąnde in gigantische Blindenschrift (Braille-Schrift) ├╝bersetzt und passende Audiospuren als Knopf installiert. Das Ganze hat dann den passenden Namen Blind Style und ist, wie ich, finde, ein durchaus spannendes Projekt - sowohl f├╝r Blinde - als auch f├╝r Nicht-Blinde.


Video nach dem Klick (weil Autoplay): ...weiterlesen "Blind Style | Graffiti f├╝r sehbehinderte Menschen (├╝bersetzt in f├╝hl- und h├Ârbare Kunst)"