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Die Impfkampagne aus Neu-NoCOVID-Seeland macht tatsächlich Lust und Laune darauf, sich eine Nadel in den Arm stechen zu lassen und genau so einen coolen Gemeinsam-packen-wir-das-Spot hätte ich mir ja eigentlich auch von deutschen Schauspielern gewünscht. Aber sowas geht hier natürlich nicht, weil Deutschland ja keine Insel ist.

"Do it for each other."


Seit Jahrzehnten kämpfen viele Menschen gemeinsam gegen jede Form von Diskriminierung. Diese "Kämpfe" werden seit einiger Zeit gehört, weil es längst nicht mehr nur die Betroffenen sind, die aufstehen, sondern weil Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft ihre Stimme erheben, völlig unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder was auch immer. Und das ist alles auch sehr gut so. Denn ich glaube, dass man nur mit vereinten Bubbles genug Aufmerksamkeit und Druck erzeugen kann, um politisch und gesellschaftlich etwas zu verändern. Ich bin beispielsweise behindert, weiß & männlich und "kämpfe" mit, sei es nun gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie oder was auch immer.
Was ich dagegen mittlerweile fast aufgegeben habe, ist für meine eigene, wenn man so will "Randgruppe" zu kämpfen. Menschen mit Behinderung. Warum? Nun, einerseits fühl ich mich gar nicht mal so wohl, wenn ich mich für etwas sozial engagiere, bei dem ich am Ende selbst mitprofitiere (das klingt vielleicht dumm, aber so verstehe ich Solidarität und ich schenke bspw. auch lieber, als etwas geschenkt zu bekommen). Andererseits komm ich mir aber auch oft überpriviligiert vor, wenn ich Probleme anprangere, die behinderte Menschen aus vielen ärmeren Ländern eher lächerlich finden dürften (allzu sehr muss man Deutschland da aber auch nicht loben, denn es gibt auch viele Länder, die das mit der Inklusion sehr viel besser hinbekommen).
Am meisten frustriert mich aber am Behinderten-Movement, dass diese Kämpfe oft eben kein Gehör finden und ich bisher immer das Gefühl hatte, fast alleine mit eben jener Bubble anzutreten, in der alle eine Behinderung haben. Schon der Punkt, dass viele wahrscheinlich erstmal "Ableismus" googlen müssen, zeigt, wie allein wir sind und wie wenig Leute Diskriminierung von behinderten Menschen überhaupt wahrnehmen. Dementsprechend waren auch die Erfolgssaussichten dieser Kämpfe immer relativ klein und einige haben wir wohl auch deswegen verloren.
Zumal es ohnehin schon schwierig ist, eine Gruppe zu bündeln, in der es total unterschiedliche Bedürfnisse gibt - denn es gibt ja nicht nur eine Behinderung. Und dazu kommt, dass viele Menschen mit Behinderung nicht so mobil sind, wie sie es eigentlich könnten, weil es absurderweise nur ganz wenig neue Transportmittel gibt, die barrierefrei sind und selbst die angeblich zugänglichen eben nicht so einfach zugänglich sind, wie für Menschen ohne Behinderung. Und vielleicht könnt ihr euch ja vorstellen, wie schwierig es da ist, eine Demo zu organisieren. Kurzum: Wir brauchen mehr Support - wir brauchen mehr Allies.
Und ja, klar - es gibt wie im Spiegelartikel inzwischen auch viele Menschen ohne Behinderung, die für uns aufgestanden sind (ich sehe euch <3), als letzte Woche vier behinderte Menschen in ihrem zuhause ermordert wurden und es anschließend nazimäßige Tatmotive zu lesen gab, die davon sprachen, dass man die Opfer eventuell ja nur von ihrem "Leid erlösen" wollte und die Pflegerin vielleicht auch einfach überfordert gewesen sei. Ja, wer kennt es nicht, da ist man auf Arbeit überfordert und muss dann erstmal ein paar Kunden töten, um sich abzureagieren. Aber ja, natürlich - auch die Situation der Pflegekräfte muss, das wissen wir spätestens seit Corona, deutlich verbessert werden.
Menschen mit Behinderung "leiden" in den allermeisten Fällen auch nicht an ihrer Behinderung. Sie leiden durch die vielen Barrieren und den sozialen Ungerechtigkeiten, die man ihnen immer noch permanent in den Weg und an den Kopf wirft. Ansonsten "leide" ich bspw. so sehr an meiner Krankheit, wie ihr daran leidet, dass ihr keine Flügel habt und deshalb nun mal nicht fliegen könnt. It is how it is, you know.
Ich möchte jedenfalls von keinem fukking "Leid" erlöst werden. Im Gegenteil. Ich würde gerne so alt werden, wie es geht, um den orakelnden Ärzten von damals zu zeigen, dass sie sich maximal geirrt haben, als sie meinen Eltern sagten, dass ich keine 18 Jahre alt werde (ich bin jetzt 34 und es geht mir blendend, was sagt ihr jetzt).
Ich versteh aber natürlich auch, dass man in Zeiten wie diesen manchmal gar keine Kraft mehr hat, um sich mit noch mehr fürchterlichen Nachrichten zu beschäftigen und es vielleicht auch deshalb wenig Aufschrei bzw. Rückenwind für Menschen mit Behinderung gab. Corona macht eben wirklich alles schwerer.
Insgesamt liegt es mbMn aber daran, dass behinderte Menschen kaum bis gar nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Und das sollte eigentlich allen zu denken geben, denn es gibt fast eine Milliarde Menschen auf der Welt, die in irgendeiner Form eine Behinderung haben. In Deutschland ist es bspw. fast jeder Zehnte (dazu zählen übrigens auch Behinderungen, die man nicht sieht, wie bspw Autismus oder Gehörlosigkeit).
Und trotzdem haben wohl immer noch die wenigsten Leute einen behinderten Kollegen oder Freund und man sieht fast gar keine Schauspieler, Künstler, Musiker, Politiker, Influencer etc. mit Behinderung. Das passt jetzt nicht so ganz in eine Zeit, in der seit über 10 Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention gilt und wir immer über Diversity sprechen, oder? Es macht dafür aber deutlich, dass Menschen mit Behinderung anscheinend immer noch sozial, beruflich und medial so sehr benachteiligt werden, dass sie es gar nicht erst dort hinschaffen, wo sie sichtbar werden können. Das sollten wir dringend mal ändern, wenn wir das mit der Vielfältigkeit auch wirklich ernst nehmen wollen.
Apropos sichtbar - ich mache an dieser Stelle mal 30 Twitter-Accounts mit Behinderung sichtbar, von denen euch viele noch sehr viel besser als ich zu dem ganzen Thema informieren können, wenn ihr denn zuhören und mit uns kämpfen wollt:

https://twitter.com/raulde https://twitter.com/RolliFraeulein
https://twitter.com/Fischblog https://twitter.com/JuleStinkesocke
https://twitter.com/FrauGodot https://twitter.com/melly_maeh
https://twitter.com/Felicea https://twitter.com/MrsHimbeere
https://twitter.com/LauraGehlhaar https://twitter.com/Melktim
https://twitter.com/FotosmitHerz https://twitter.com/EinAugenschmaus
https://twitter.com/VicisWildeWelt https://twitter.com/RMaskos
https://twitter.com/wheels_to_go https://twitter.com/freiherz
https://twitter.com/QueerCripPain https://twitter.com/audifono81
https://twitter.com/_Edith_Arnold_ https://twitter.com/ProjektLeben2
https://twitter.com/gerlindeschroen https://twitter.com/nancy_poser
https://twitter.com/AnastasiaUmrik https://twitter.com/outerspace_girl
https://twitter.com/badreputashawnx https://twitter.com/muckie2020
https://twitter.com/PatriciaAKoller https://twitter.com/edwingreve
https://twitter.com/Ninidiil https://twitter.com/WheelyWorld

Die Impfwelle rollt immer weiter durchs Land, das Bundesverfassungsgericht stimmt für die Zukunft unseres Planeten und sogar Karl Lauerbach blickt positiv auf einen Sommer, der dann hoffentlich auch bald mal kommt, bevor es schon wieder neue Hiobsbotschaften gibt und die Welt plötzlich wieder untergeht. Twittwoch #18.

...weiterlesen "Twittwoch #18"

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Falls ihr noch nicht genug von zynischer Satire, aber genug von den immer gleichen dummen Diskussionen habt und trotzdem nochmal die ganze Absurdität dieser fukking Pandemie zusammengefasst haben möchtet, empfehle ich als Lektüre diesen voll ins Mark treffenden Thread von AngrrryBert. Ein brandheißer Vergleich mit sehr viel Feuer:

ElHotzo hat Twitter nicht nur auf Twitter, sondern auch auf Instagram durchgespielt und zählt zu den wenigen Menschen, die in der Pandemie gewonnen haben. In dem Fall ist der Gewinn Reichweite und die nutzt die Twitter-Koryphäe nun schon zum zweiten Mal, um transparent so viel Spenden wie möglich für wichtige und richtige Projekte zu sammeln. Das finde ich sehr löblich und bewerbe das einfach mal mit den Dingen, die ElHotzo am besten kann: Tweets.

Update: Inzwischen ist die Aktion - erfolgreich - beendet. Ergebnis: über 150.000€. Geiles Ding.

...weiterlesen "El Hotzo sammelt Spenden für SeaEye, Seawatch und ein Anti-Rassismus-Projekt"


Arte Tracks beantwortet die Frage, wie es sein kann, dass wir in der Pandemie mehr Musik hören, aber viele Musiker jetzt trotzdem finanziell strugglen müssen (Spoiler: weil dank Spotify wieder mal Reiche reicher und Arme ärmer werden). Die Schattenwelten-Regortage-Reihe war im Lockdown nicht nur auf illegalen Raves, sondern zeigt auch, wie verdammt kriminell Vermieter und Immobilien-Besitzer sein können. Hafti bekam zum neuen Album-Release eine sehenswerte Doku von amazon spendiert. In der ARD-Mediathek laufen hin und wieder auch sehr gute Serien und eine davon ist derzeit MaPa. Und bei Krömer war mit Kida Ramadan ein deutscher Schauspieler zu Gast, der mbMn sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte als ein Jan Josef Liefers.




Seit Freitag draußen, gestern gesehen und für ganz schön gut befunden: The Mitchells vs. The Machines. Ein stylisch animierter und internetaffiner Road-Sci-Fi-Comedy-Movie, der eine sehr hohe Gagdichte hat und sich anfühlt wie ein flashiger Mix aus Scott Pilgrim, I, Robot und Spiderverse. Inklusive Monster-Furby.
Ich hab' jedenfalls lange keinen so starken Animationsfilm gesehen und kann den Wohlfühl-Apokalypse-Trip für klein und groß nur empfehlen. Denn er macht ausgesprochen gute Laune - und die können wir ja gerade alle ganz gut gebrauchen.

Gut, dass ich nicht in Neuseeland, sondern in Dauerlockdownland wohne und aus Langeweile nun so viel Mucke in meinem kleinen Kämmerchen machen konnte, dass mein Pandemie-Album stetig wächst (not sure if Zynismus or not).
Diesmal kommt ein kleiner Newmetal-Pop-Mix dazu, in dem ich P.O.D. und Owl City so verkuppelt habe, dass sie zusammen nach einem Song klingen, den ich jetzt ganz gerne live und mitgesungen von tausenden Partypeoples hören würde. Vielleicht vermisse ich Menschenmassen aber auch einfach so sehr, dass ich inzwischen gerne Chöre höre, um wenigstens meinen Ohren mal das Gefühl von zusammenkommenden Leuten zu geben. Oder ich will einfach nur dringend mal wieder auf ein Festival. Naja. Irgendwann geht das sicher auch wieder. Ganz bald und so. Bestimmt.

Schön, dass es noch Menschen aus der Kulturbranche gibt, die nicht nur rumjammern, sondern wirklich etwas tun und mit anpacken, um Kunst und Kulturstätten in diesen harten Zeiten zu supporten. In Berlin zum Beispiel unterstützen viele aus der Clubszene tatkräftig in den dortigen Impfzentren.
Und Marteria hilft dafür den seit mittlerweile 14 Monaten gelockdownten und strugglenden Clubs aus und ballert heute abend einen 12 Stunden langen Club-Spenden-DJ-Stream (mit u.a. Visa Vie & Josi Miller), in dem Kohle für die Orte gesammelt wird, in denen wir nach der Pandemie alle endlich wieder ohne Streams gemeinsam Nächte durchtanzen wollen. Die passende Hymne dazu gibt's mit einem wummernden Club-Track, der an das Gefühl dieser guten alten Rave-Zeit zurückerinnert, nach der wir uns alle so sehnen:

Paradise Delay“ holt genau diese dumpfen Erinnerungen aus einer Prä-pandemischen Zeit in unsere Köpfe. Auf einem elektronischen Housebeat mit verzerrter Bassline, produziert von DJ Koze und The Krauts, rappt Marteria darüber, warum er noch immer seine Rente am Dancefloor verballert. [...] Eine Hymne, die gerade jetzt dringender denn je gebraucht wird." (Diffusmag)

Es geht scheinbar endlich voran, Leute. Deutschland hat die 1-Million-Impfdosis-Quote pro Tag geknackt und in den letzten zwei Tagen insgesamt 2.005.340 Oberarme gepikst. Der Impfstatus-Fortschritt ist damit innerhalb von 24 Stunden um 1% nach oben gehüpft.
Passend dazu ist mein neues Hobby gerade, Herzchen an die ganzen Impfselfies zu verteilen, die in den letzten Tagen immer häufiger im Netz aufploppen. Wenn wir das Tempo halten und nicht noch irgendein hässliches Mutantenvirus um die Ecke kommt, haben wir Pandemie bis zum Ende des Sommers komplett durchgespielt (eventuell auch schon früher).

Die ganze Welt kämpft mehr oder weniger erfolgreich gegen einen tödlich Virus während Deutschland über Satire diskutiert, die sich wie ein Arthousefilm für Seidenschal tragende Querköpfe anfühlt. Durch mehr und mehr Impfmöglichkeiten geht die Jagd auf die heiß herbeigesehnte Nadel langsam in die breite Masse wie so ein Pokémon GO für Junkies. Und Armin möchte anscheinend gar nicht die Wahl gewinnen und holt sich ausgerechnet Merz ins sinkende Boot, als würden Pinky & Brain die Titanic nachdrehen. Twittwoch #17.

...weiterlesen "Twittwoch #17"